Spannkraft

Bauten und Bauweisen

Autorin: Svietlana Bobileva
Übersetzung: Martje Postma 

Die mennonitische Einstellung ist auf Rationalismus begründet. Die Kolonien bestanden aus dicht beieinander gelegenen Dörfern. Die Siedlungen, durch Straßen verbunden, wurden nah an den Ufern kleinerer Flüsse gebaut. Sie wurden entsprechend offiziell genehmigter Pläne gebaut, angepasst an die Landschaft. Die Kolonien entwickelten ihre Infrastruktur nach und nach: Handwerksbetriebe, Fabriken, Geschäfte, Kirchen und Schulen.

 

Gut gepflegt und ordentlich

Die Mennonitendörfer waren angelegt entlang einer Straße, der Hauptstraße, die gepflastert war. Es gab Gräben für das Auffangen von Regenwasser und gepflasterte Fußwege. Die Straße sah gepflegt und ordentlich aus. Alle Kolonien hatten große Grünflächen und Gärten. Die Vorgärten waren voller Blumen. Ein Bethaus oder eine Kirche und eine Schule befanden sich mitten in der Siedlung. Die Schule war häufig ein zweistöckiges Gebäude mit großen Fenstern, bequemen Stühlen und gefliesten Böden.

 

Das Material

Es gab Fachwerkhäuser, Häuser aus Lehm und aus gebrannten Zielen. Der Kamin  war fest mit  dem Dachboden verbunden, für bessere Wärmenutzung und Wärmeleitung. In ihren Kaminen hatten die Mennoniten traditionell eine Räuchervorrichtung. Die Giebel der Häuser waren 9 m hoch, aus Backstein gemauert. Die Fußböden waren meistens gestrichen. Fußböden ohne Anstrich wurden von den Hausfrauen gewischt und geschmirgelt. Jedes Haus hatte einen Keller – quadratisch oder mit gewölbter Decke. Die Wände und Decken waren gefliest und aus Backsteinen gemacht. Manche Mennoniten hatten gestampfte Lehmböden.

 

Die Aufteilung der Höfe und Häuser

Die Höfe waren 40 m breit und 100 – 120 m lang. Die Bauernhöfe waren getrennt durch Zäune, die zweimal jährlich geweißelt wurden. Die meisten Gebäude waren einstöckig, 9 bis 18 m in der Breite, und standen mit der Vorderseite zur Hauptstraße. Alle Häuser hatten zwei Eingänge. Die Haustür ging zum Garten. Eine andere Tür führte durch einen Gang zu einer Scheune, und dann einer zweiten Tür, einige Meter von der Haustür entfernt. In manchen Häusern gab es vier Räume, die um den Herd angeordnet waren, der sich in der Mitte des Hauses befand. Die Häuser hatten vier Abteilungen innerhalb des Gebäudes: zwei Gemeinschaftsräume und zwei Räume wo gewohnt und gekocht wurde. Ausziehbetten ('Schlopani'), Wandschränke, Sofas, Holzbänke, zweitürige Hängeschränke und Truhen gehören zu den traditionellen Möbelstücken.

 

Brunnen

Brunnen befanden sich in den Gärten und Ställen. Wenn ein Dorf kein sauberes Wasser hatte, richteten die Mennoniten Wasserbehälter mit Holzdeckeln ein, und füllten sie mit gefiltertem oder destilliertem Wasser. Brunnen wurden auch am Rande  der Straßen eingerichtet.

Täufertour durch die Schweiz

Autor: Hanspeter Jecker

Die täufergeschichtliche Rundreise durch die Schweiz beginnen wir in Basel. Hier hat 1516 Erasmus von Rotterdam die griechische Edition des Neuen Testamentes publiziert. Sie bildete die Grundlage für die Bibelübersetzungen sowohl von Luther als auch von Zwingli. Und die Bibel war bekanntlich das Rückgrat der gesamten Reformation.

 

Zürich

Zentrum dieser europaweiten Erneuerungsbewegung für Kirche und Gesellschaft war in der Schweiz die Stadt Zürich. Hier wirkte seit 1519 der Theologe Ulrich Zwingli. Schon bald begannen die Diskussionen darüber, wie umfassend, wie schnell und unter wessen Leitung diese Reformen durchzuführen seien. Es waren einzelne seiner engsten Mitarbeiter, die seit 1523 zunehmend Kritik an ihrem Lehrmeister formulierten und mit dem Vollzug der Erwachsenentaufe am 21. Januar 1525 den definitiven Bruch vollzogen. 1527 kam es mit der Ertränkung von Felix Mantz in der Limmat zur ersten Hinrichtung eines Zürcher Täufers, welcher weitere folgten.

 

Täuferhöhle

Die rasch einsetzende Verfolgung zwang die Täuferbewegung zum Rückzug ins Hinterland. Gottesdienstliche Treffpunkte waren fortan abgelegene Winkel. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die ‘Täuferhöhle‘ am Bachtel bei Hinwil im Zürcher Oberland.

Am Anfang bildete das Täufertum ein Sammelbecken für frustrierte Zeitgenossen, die von der Reformation enttäuscht waren. Die Bewegung musste sich rasch entscheiden, wohin die Reise gehen sollte. Darum versammelten sich 1527 in Schleitheim bei Schaffhausen führende Täufer zu einer Besprechung. Hier verpflichtete man sich als ‘Schweizer Brüder‘ auf einen gewaltlosen und freiwilligkeitskirchlichen Kurs. Eine Ausstellung im Ortsmuseum dokumentiert deren Geschichte.

Nachhaltig Fuss fassen konnte die Täuferbewegung in der Schweiz namentlich in Bern. Im Emmental, aber auch im Oberaargau und im Raum Thun (v.a. Steffisburg, Oberhofen, Spiez, Frutigen) war das Täufertum phasenweise recht zahlreich. Bewegende Zeugen der obrigkeitlichen Repression sind hier besonders das Täuferversteck im Hüttengraben in Trub (inkl. Museum) sowie Schloss Trachselwald mit seinen Gefängniszellen.

 

Vom Zufluchtsort zur Heimat

Auf ihrer Flucht ins Ausland bot der Jura mit seinen abgelegenen Bergbauernhöfen für viele Taufgesinnte eine vorübergehende Zuflucht. Eindrücklich ist der versteckte Gottesdienstort in der Höhle ‘Geisskirchli‘ bei Souboz. Für viele wurde der provisorische Zufluchtsort allerdings bleibend zur Heimat, wie die Versammlungshäuser etwa in Les Bulles, Moron, Les Mottes oder Jeangui (Ausstellung!) beweisen.

 

Zurück in Basel erinnern wir uns daran, dass hier 1925 die erste Mennonitische Weltkonferenz stattfand und dass hier 1950 die Europäische Mennonitische Bibelschule eröffnet wurde. Seit dem Umzug auf den nahegelegenen Bienenberg bei Liestal (1957) dient sie als ‘Ausbildungs- und Tagungszentrum‘ weit über mennonitische Kreise hinaus als Ort der Schulung, Erholung und Begegnung.

 

 

Mennonitische Siedlungen in Polen

Autor: Michal Targowski
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten, die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts nach Polen auswanderten, waren überwiegend Bauern. Ihre ausgezeichneten Fähigkeiten sumpfige Landstriche zu kultivieren, ermöglichten es ihnen, sich in gering besiedelten Gebieten im Weichseldelta anzusiedeln.

 

Hauptsächlich Landwirtschaft

Obwohl es in Elbląg (Elbing) und in den Vorstädten von Danzig Niederlassungen  mennonitischer Handwerker und Kaufleute gab, zogen es die meisten Anhänger von Menno Simons vor, sich auf dem Lande anzusiedeln. Die ersten Siedlungen lagen im Delta und dem Tal der unteren Weichsel, einige wenige Mennoniten lebten an der Ostseeküste und in den Sümpfen des Flusses Noteć (Netze). Im frühen siebzehnten Jahrhundert legten die Niederländer ihre Kolonie auf eine jener Flussinseln an, die jetzt ein Teil von Warschau sind. Die Weiterentwicklung wurde von Kriegen behindert, bis in das späte achtzehnte Jahrhundert, als neue Generationen in Polen geborener Mennoniten  sich erneut aufmachten und neue Gebiete stromaufwärts an der Weichsel und ihren Nebenflüssen besiedelten.

 

Gegründet in unzugänglichen Gebieten, bedingt durch die hohe Wahrscheinlichkeit von Überflutungen, hatten die von Mennoniten angelegten Dörfer eine einzigartige Form und einen eigenen Charakter – hölzerne Wohnhäuser, meistens an einem Deich entlang gebaut, oder auf trockenen Streifen in der Nähe der Sümpfe, die Häuser in regelmäßigem Abstand voneinander. Die Grundstücke waren gleichmäßig unterteilt, senkrecht zum Deich oder zu einer Straße, von Gräben getrennt. Die so planmäßig geordneten Dörfer werden 'Reihendörfer' genannt. Ihre Anordnung, die sich an vielen Orten in Polen erhalten hat, ist eines der Teile von jenem Erbe, das diese Einwanderer hinterlassen haben.

 

Integrierte Gemeinschaften

Mennonitische Ansiedlungen bildeten lokale Gruppen, die eine Zusammenarbeit zwischen kleineren Ortschaften möglich machten. Sie organisierten gemeinsame Gebetstreffen und Gottesdienste, die von Einwohnern verschiedener Dörfer besucht wurden. Es wurde viel Mühe darauf verwandt, einen mennonitischen Bauernhof nicht in katholische oder lutherische Hände gelangen zu lassen. Daher bildeten die polnischen Mennoniten enge Gemeinschaften, denen es gelang, ihre Identität und Religion über lange Zeit zu erhalten, wenigstens bis zur Zeit der zunehmenden Germanisierung im 19. und 20. Jahrhundert, und manchmal sogar bis zu ihrer dramatischen Auswanderung aus Polen in 1945.

Diese jahrhundertealten mennonitischen Siedlungen finden sich in Dutzenden Dörfern in Zulawy und der unteren Weichselniederung, wie z.B. Nieszawka (Nessau), Sosnówka (Schonsee), Przechówko (Wintersdorf), Mątawka (Montau), Grupa (Gruppe), Bratwin, Jezioro (Thiensdorf), Kazuń Deutsch Kazun) und Wymyśle. An diesen Orten, wie an vielen anderen Stellen, sind immer noch Spuren der mennonitischen Geschichte zu finden, festgelegt in den Landschaften der Niederungen, in alten Beispielen der Holzarchitektur oder in schweigenden Friedhöfen.

 

Mennonitische Wanderungen in Preußen, Polen und Russland

Autor: Peter Klassen
Übersetzung aus dem Englisch: Joel Driedger 

Als die täuferisch-mennonitische Bewegung im 16. Jahrhundert aufkam, wurde sie bald darauf verfolgt, vor allem aufgrund der Glaubenstaufe und ihrer Friedensethik. In Polen fanden die Mennoniten einen Ort, an dem sie bleiben konnten, denn gute Bauern und Kaufleute waren willkommen. Es entstand eine große Zahl von mennonitischen Gemeinden, besonders im Weichsel-Delta. Diese Region war erstaunlich tolerant in einem Zeitalter religiöser Intoleranz. Hier legten die mennonitischen Bauern, die ursprünglich aus den Niederlanden kamen, durch Deiche und Kanäle das Land trocken und steigerten den landwirtschaftlichen Ertrag beträchtlich. Eher kaufmännisch begabte Mennoniten ließen sich in den Randbezirken von Gdansk (Danzig) und anderen größeren Städten nieder.

 

Wahre Gläubige oder Häretiker?

Es überrascht nicht, dass den mennonitischen Nonkonformisten zuweilen vorgeworfen wurde, einen falschen Glauben zu vertreten. In einer dramatischen Szene in Gdansk wurden Mennoniten aufgefordert, diesen Vorwurf zu widerlegen. Im Jahre 1678 mussten mehrere Mennoniten vor einen theologischen Untersuchungsausschuss unter dem Vorsitz des katholischen Bischofs von Wloclawek (Leslau) treten, um über ihre theologischen Standpunkte Rechenschaft abzulegen. Als die Anhörung vorbei war, wurden die Mennoniten von allen Verdächtigungen frei gesprochen, wie Georg Hansen, ein Geistlicher der Flämischen Kirche in Gdansk, notierte. Zur selben Zeit versuchten einige religiöse Autoritäten, die Ansiedlung von Mennoniten zu verhindern. Doch Polen blieb bei seiner toleranten Haltung.

Die Mennoniten brachten vor allem Fachwissen über Deichbau mit. Das war wichtig, damit das Flußwasser kontrolliert werden konnte und das Land nicht mehr geflutet wurde. Sie folgten der Einladung des Landesherrn von Nowy Dwór (Tiegenhof) und gründeten eine Reihe von mennonitischen Siedlungen im Weichsel-Delta. Die Mennoniten hatten den Ruf, tüchtige Bauern zu sein, die ein sumpfiges Gebiet trocken legen können. Dadurch wurde vielen weiteren Siedlungen die Tür geöffnet.

 

Neue Gewissenskonflikte

Als Preußen die Kontrolle über das Weichsel-Delta übernahm, entstanden neue Herausforderungen. Die neuen Herrscher hatten wenig Verständnis für das mennonitische Prinzip der Gewaltfreiheit. Die Mennoniten wurden gedrängt, in der Armee zu dienen, was zu Glaubenskonflikten in den Gemeinden führte. Einige Leiter in den westpreußischen Mennonitengemeinden schlugen vor, die mennonitische Friedensposition aufzugeben. Es entstand schrittweise eine Trennung. Ende des 18. Jahrhunderts zogen mehrere Hundert mennonitische Familien nach Russland, wo Katharina II. Glaubensfreiheit versprach. Eine andere Gruppe von Mennoniten emigrierte nach Amerika. Unter den Mennoniten, die im expandierenden deutschen Staat verblieben, gaben immer mehr die Friedensposition auf. Später, nach der Niederlage von Deutschland 1945, flohen viele Mennoniten nach Westdeutschland. Einige starben auf der Flucht, andere fanden eine neue Heimat. Die bereits bestehenden Gemeinden nahmen die Flüchtlinge auf oder halfen ihnen, weiter nach Nord- und Südamerika zu fliehen. Nur wenige kehrten zu ihren ursprünglichen Heimatorten zurück.

 

Der Große Patriotische Krieg (1941 – 1945)

Autorin: Svietlana Bobileva
Übersetzung: Martje Postma 

Politische Unterdrückung war überall in der Sowjetunion zu spüren in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Stalins Regime unterstützte die Aktivitäten der NKWD (politische Polizei), begann eine Kampagne gegen 'die Faschisten' – die deutschsprachige Bevölkerung (im eigenen Land), löste die eigenständigen Gebiete auf und arbeitete 1939 Pläne für die Deportation der Deutsch-Mennonitischen Bevölkerung aus. Verhaftungen und physische Gewalt gegen Prediger und Lehrer schwächte die Mennoniten und ihre geistige, nationale und kulturelle Identität. Dieses hatte Auswirkungen auf die Haltung der Mennoniten angesichts der Machthabenden. 

 

Die Mennoniten und die Obrigkeit

Der Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion brach im Juni 1941 aus. Einige mennonitsche Jugendliche meldeten sich freiwillig zur Roten Armee. Andere warteten nur das Ende des Kampfes zwischen den Kriegsparteien ab. Allerdings war es beinahe unmöglich, neutral zu bleiben und sich abseits zu halten. Einige Politiker und Aktivisten der Kommunistischen Partei wurden in den Osten der Sowjetunion geschickt, in die Verbannung. Das Gesetz 'Zur deutschen Bevölkerung in der ukrainischen Sozialen Sowjet Republik' wurde im August 1941 erlassen. Entsprechend dieses Gesetzes sollten anti-sowjetische Elemente verhaftet werden, und die deutschsprachigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren sollten aufgerufen werden, um 'Bataillone zu bilden'. Die deutschsprachigen Mennoniten aus Charkow, Dnjepopetrowsk, Saporosche, Stalin (heute Donetzk), aus den Provinzen um Woroschilograd (Lugansk) und der Krimgegend sollten ausgewiesen werden. Der Aufmarsch der Wehrmacht verhinderte allerdings die Verwirklichung dieser Pläne.

 

Zwischen Bolschewismus und Nazismus

In der Ukraine lebten vor dem Krieg etwa 163.000 Mennoniten und Volksdeutsche. Ziel der faschistischen Machthaber war es, das menschliche Potential der besetzten Gebiete für ihre eigenen Zwecke einzusetzen, und sich auf die lokale deutschsprachige Bevölkerung zu verlassen. Dazu versahen sie die Gemeinden mit materiellen Hilfen, und täuschten vor, die ethnischen Schulen und das religiöse  Gemeindeleben wieder zuzulassen. Zunächst waren sie damit erfolgreich. Jedoch wurden die Mennoniten schon bald enttäuscht, da die Kollektiven Bauernhöfe, die von Stalin angeordnet worden waren, nicht aufgelöst wurden, und statt der bolschewistischen Ideen die Nazi-Ideologie in den Schulen unterrichtet wurde. Eben sowenig konnten die Mennoniten dem Rassismus der Nazis zustimmen, aufgrund derer die lokale nicht-deutsche Bevölkerung als Untermenschen gesehen wurde.

 

Fremde im eigenen Land

Es gelang den Nazis nicht, Zwietracht zwischen der ortsansässigen multinationalen Bevölkerung zu säen. Es finden sich in der Geschichte viele Beispiele für die freundliche Nachbarschaft zwischen den Mennoniten und ihren ukrainischen Nachbarn. Dennoch hatte die Nazi-Propaganda einen psychologischen Einfluss auf die Mennoniten. Während der Besatzung wurden sie zu 'Fremden im eigenen Land'. Dennoch zeigt ihre Rückkehr in die Sowjetunion, dass sie sich für die Schandtaten der Nazis nicht verantwortlich fühlten.

Unternehmer mit Begeisterung

Autorin: Nataly Venger
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten in Russland waren nicht nur begeisterte Bauern, sie waren auch begabte Unternehmer. Die Mennonitenkolonien in der Provinz Jekaterinoslaw entwickelten sich zu den Hauptproduktionszentren für die Maschinenproduktion im russischen Reich. 'Lepp und Wallmann' war die bekannteste mennonitische Produktionsfirma für Maschinenbau. Die Fabrik wurde in 1850 von Peter Lepp gegründet – er begründete damit auch eine Unternehmerdynastie – und sie erlebte  die Höhe ihres Erfolges unter der Leitung seines Enkels, Johann Lepp, der das Unternehmen im Jahre 1879 erbte und es bis 1919 betrieb.

 

Die Dynastie Lepp-Wallmann

Im Jahre 1880 wurde Andreas Wallmann, ein reicher Bauer, Partner in der Fabrik Lepps, danach war der Name der Firma bekannt als 'Lepp und Wallmann'. 1903 ging das Unternehmen an die Börse. Die Anteilseigner waren die elf Vertreter der Dynastie Lepp-Wallmann. Sie betrieben 3 Maschinenbau-Firmen in der Provinz Jekaterinoslaw. In 1903 wurde der Wert der Firma mit ihren materiellen und immateriellen Werten auf 1,15 Mio Rubel geschätzt. Das Firmenkapital des Unternehmens wuchs auf eine Höhe von 1,2 Million Rubel (1903 – 1913), und 2,4 Million Rubel (1914 – 1918).

 

Unternehmerischer Erfolg und Auszeichnungen

In den Anfangsjahren produzierte der Betrieb die einfachsten Landwirtschaftsgeräte: Mähmaschinen, Rüttelsiebe und Erntemaschinen.  Im Jahre 1874 brachte er das erste Buchungsgerät  auf den Markt, „Lepps Buchhaltungsmaschine“. Nach 1880 begann die Fabrik die Produktion von Maschinen, die wichtig waren für die Industrialisierung: Dampfmaschinen, Dampfkessel, Ölpressen und Zubehör für Sägewerke. In den Jahren zwischen 1860 und 1912 nahm die Firma an Ausstellungen für Landwirtschaftsmaschinen teil und erhielt 33 Medaillen und Diplome.

 

Das Geschäftsleben und der Erste Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges wurde die Fabrik gezwungen, Waffen zu produzieren. Es war für die (pazifistischen) mennonitischen Unternehmer die einzige Möglichkeit ihren Besitz unter den Bedingungen des Krieges der 'Russischen Einheit'  gegen Deutschland zu schützen.

 

Die Bedeutung der Fabriken unter mennonitischer Leitung

Lepp–Wallmanns Betriebe trugen in hohem Maße zu der Entwicklung der Maschinenbau-Industrie in Russland bei. Berühmte Unternehmer wie A. Koop und C.Hildebrandt fingen als Lehrlinge in der Fabrik von P.Lepp an. Im Jahre 1900 produzierten die Mennoniten in der Provinz Jekaterinoslaw mehr als 58% der landwirtschaftlichen Geräte. In der Provinz Taurien war jede dritte Werkzeugfabrik in mennonitischen Händen. 1911 war jede fünfte Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen in Nowo-Russia Eigentum eines mennonitischen Unternehmers. Diese Zahlen können als ein Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges dieser ethnischen und religiösen Gruppe gedeutet werden. In den mennonitischen Fabriken wurden immer die neuesten Technologien angewendet, sie bestanden erfolgreich den Wettbewerb mit ausländischen Fabriken, und sie lieferten den Konsumenten Produkte, die preiswert waren und dennoch von hoher Qualität. So lieferten sie ihren Beitrag zum Fortschritt der Modernisierung.

 

Vertrauen auf das unmittelbare Wirken des Heiligen Geist

Autorin: Beate Zipperer

Nur selten zeigt sich in mennonitischen Gemeinden für die gottesdienstliche Versammlung eine schriftlich fixierte oder gar liturgische Form. Das bedeutet aber nicht, dass der Gottesdienst ohne Struktur und Ordnung abläuft oder gar dem Zufall überlassen wird. Es bedeutet vielmehr, dass sich Gemeinden auf das unmittelbare Wirken des Heiligen Geist verlassen. Die gottesdienstliche Praxis und das gemeindlichem Leben ist so unterschiedlich und lebendig wie die Menschen selbst, die dieses gestalten. Es gibt Gemeinden die einen deutlich charismatischen Charakter haben, aber auch solche, die mehr pietistisch ausgerichtet sind.

 

Gottesdienst

Es gibt verschiedenste Gottesdienstformen, Gebetshaltungen und Musikstile. Unterschiede in Kultur, Tradition und Temperament der Menschen bestimmen die Spiritualität sowie die äußere Form der Gottesdienste. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das gemeinsame musizieren und das gemeinsame beten, zentrale Rollen sowohl im Gottesdienst als auch bei anderen gemeindlichen Zusammenkünften einnehmen.

Am besten lässt sich wohl eine kurze Zusammenfassung der drei Teile einer gottesdienstlichen Versammlung mit folgenden Worten zusammenfassen:

 

Gemeinschaft mit Gott

Sich bewusst in die Gemeinschaft mit Gott stellen: zu ihm kommen; ihn loben; ihm danken Dieser Teil ist der Beginn der gottesdienstlichen Versammlung: Begrüßung der Gemeinde, gemeinsames beten und singen, sowie weitere Element z:B. Textlesung, Anspiele oder Glaubens-Zeugnisse führen die Gottesdienstbesucher in die Gegenwart Gottes.

 

Verkündigung

Wir hören auf Gott - Gott zu Wort kommen lassen. In diesem Teil des Gottesdienstes wird von berufenen Predigern (das können Theologen oder Laienprediger sein) in der Predigt, Gottes Wort ausgelegt.

 

Gemeinschaft miteinander

Anteil nehmen aneinander und an dem, was um uns herum geschieht

Miteinander Abendmahl feiern und Segnungen, das miteinander teilen von Erfahrungen/Erlebnisse/Zeugnisse von Gottes Wirken/Eingreifen gehören ebenso in diesen Teil der Gottesdienste wie der Informationsaustausch zu gemeindlichen und weltweiten Anliegen. Dieser Teil beschließt meist die Versammlung am Sonntag.

 

Gemeinschaft leben – im Glauben wachsen – Glauben leben

‘Essen hält Leib und Seele zusammen‘. Dieses deutsche Sprichwort gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern wörtlich auch für gelebte Gemeinschaft in der Gemeinde. Deshalb ist es in vielen Gemeinden üblich miteinander zu essen. Nach dem Gottesdienst lädt man ein zu Kaffee und Kuchen. Zu besonderen Festen wie z.B. bei Taufen, zur Gemeindeversammlung, zu Erntedank und auch sonst einmal, isst die Gemeinde gemeinsam zu Mittag. Gemeinschaft leben in den unterschiedlichsten Kleingruppen: in Glaubenskursen, Hauskreisen, Seniorennachmittagen, im Chor, Posaunenchor, der Theatergruppe usw.

Wachsen im Glauben und Glauben leben im Alltag, werden durch den Erfahrungsaustausch mit Geschwistern lebendig.

 

Mennoniten schließen sich zusammen

Autoren: Corinna Schmidt, Joel Driedger

In einigen Städten Norddeutschlands gibt es heute mennonitische Kirchengemeinden. Die meisten Mennoniten leben in oder in der Nähe von Krefeld und Hamburg, aber es gibt auch Gemeinden in Berlin, Neuwied, Bielefeld und anderswo. Vierzehn norddeutsche Mennonitengemeinden mit ca. 2.100 Mitgliedern sind seit 1886 in der ‘Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden K.d.ö.R.‘ (VDM) zusammengeschlossen.

 

Besonderheiten akzeptieren, Beziehungen pflegen

Die VDM bringt die Mennoniten in Norddeutschland miteinander in Kontakt. Beispielsweise treffen sich die Pastorinnen und Pastoren, um sich über Theologie zu unterhalten und konkrete Probleme zu besprechen. Einige Mitarbeiter der VDM kümmern sich nur um Jugendliche (Mennonitische Jugend Norddeutschland. MJN). Sie organisieren Freizeiten und besondere Veranstaltungen für Kinder, Teens und junge Erwachsene. Auch für Frauen gibt es eine eigene Einrichtung (Mennonitische Frauenarbeit in Norddeutschland). Außerdem unterstützt die VDM ehrenamtliche Mitarbeiter durch regelmäßige Weiterbildungen.

 

Zusammenarbeit mit anderen Kirchen

Einige Vertreter der VDM waren 1948 in Amsterdam, als der Ökumenische Rat der Kirchen ins Leben gerufen wurde. Nach dem fürchterlichen Zweiten Weltkrieg wollten die Mennoniten die Einheit der Christen fördern und gründeten deshalb zusammen mit vielen anderen Kirchen den Ökumenischen Rat. Bis heute sind die Mennoniten davon überzeugt, dass Christen sich versöhnen sollten, um Konflikte ohne Gewalt zu lösen und gemeinsam die Welt friedlicher zu machen. Zum Ökumenischen Rat der Kirchen gehören heute weltweit 350 Kirchen mit ca. 550 Millionen Mitgliedern. Die Mennoniten sind mit anderen Christen auf der ganzen Welt verbunden und genauso mit unterschiedlichsten Christen in Deutschland. Alle Gemeinden der VDM sind Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), die es in jeder größeren deutschen Stadt gibt. Mennoniten sind davon überzeugt, dass sie von anderen Kirchen etwas lernen können, und die anderen Kirchen denken, dass die Mennoniten etwas Wichtiges zu sagen haben.

 

Glauben und Frieden

Die VDM will zeigen, dass die Botschaft von Jesus Christus eine gute Nachricht für alle Menschen ist. Für die Mennoniten hat der Glaube an Jesus Christus ganz viel mit Offenheit, Toleranz, gesellschaftlichem Engagement und Frieden zu tun. Der Glaube spornt dazu an, anderen Menschen zu helfen. In Berlin hat die VDM deshalb das Mennonitische Friedenszentrum gegründet, das sich für Frieden im Kiez und für benachteiligte Menschen einsetzt. In mennonitischen Gemeinden ist Platz für alle Menschen. Wenn es Konflikte gibt, sollen diese friedlich geregelt werden. Die VDM spornt ihre Mitglieder dazu an, intensiv über den Glauben nachzudenken und sich gleichzeitig in der Gesellschaft zu engagieren.

 

 

'Der Mennisten-Papst'

Autorin: Annelies Vugts-Verbeek
Übersetzung: Martje Postma 

Müller wird heutzutage als einer der einflussreichsten akademischen Lehrer am Taufgesinnten Seminar in der Geschichte der niederländischen Mennoniten gesehen. Zu seiner Zeit wurde er spöttisch als 'Mennisten-Papst' oder 'Haupt der Kirche' bezeichnet. Seine wachsende Autorität und sein wachsender Einfluss stand in einem Spannungsverhältnis zu der autonomen und anti-autoritären 'Eigen-Art' der Mennoniten. In der Hinsicht war er eher ein Repräsentant des neunzehnten Jahrhunderts als jene liberalen Mennoniten, die sich in dem Gedankengut des aufgeklärten achtzehnten Jahrhunderts zuhause fühlten.

 

Von Krefeld nach Amsterdam

Der Deutsche Müller kam mit einem Stipendium aus Krefeld nach Amsterdam (1801), um zum mennonitischen Prediger ausgebildet zu werden. Die Feinheiten des Amts lernte er in der Kleinstadt Zutphen (1806). Danach amtierte er als Prediger in den weit angeseheneren Gemeinden Zaandam-Oostzijde (1809) und Amsterdam (1814). In 1827 wurde er zum akademischen Lehrer am Taufgesinnten Seminar ernannt, wo er mehr als 30 Jahre lehrte. Dort war er schon eine Weile im Vorstand tätig gewesen.

 

Emanzipation

Unter seiner Leitung wurde das Taufgesinnte Seminar zunehmend zu einer professionellen Einrichtung. Am Ende diese Prozesses hatte das Seminar ein gleich hohes Ansehen wie die Ausbildung der Niederländisch Reformierten Theologen an dem Vorläufer der Universität Amsterdam. Die Mennoniten selbst verfügten immer über einen höheren Bildungsstand, sie spielten eine anerkannte Rolle in der Gesellschaft und im Kulturleben, zum Beispiel in Verbänden und Verlagen. Daher brauchten sie gut ausgebildete Prediger, die lehrreich und stimulierend predigen und an den maßgebenden kulturellen Netzwerken teilnehmen konnten. Diese Mennoniten wollten sich in die Gesellschaft eingliedern. Von den Reformierten unterschieden sie sich in ihrem Anti-Dogmatismus und dem Nachdruck auf die Bibel als einzige Autorität.

 

Kritik

Viele seiner Schüler waren treibende Kräfte für diese mennonitische Emanzipation. Dennoch wurde auch Kritik am 'Mennonitsein' Müllers laut. Kollegen wie Joost Hiddes Halberstma (1789) vermisste den alten Liberalismus und die mennonitischen Eigenheiten (Folklore), und Jan de Liefde (1814-1869) war stärker orthodox und pietistisch eingestellt. De Liefde verließ die Mennoniten. Andere, wie ein Teil der Gemeinde Balk, siedelten ins Ausland über, um dort ihren Glauben zu leben.

 

Erben

Man könnte sagen, dass die heutigen niederländischen Mennoniten eher die Erben von Müller als von Menno Simons sind. Mit Müller betraten die Mennoniten ein neues Zeitalter, das sie auf den Modernismus vorbereiten sollte. Das war eine theologische Strömung, die sich in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gegen alle Dogmen richtete, sogar den Glauben an Gott. Müller, fast neunzig Jahre alt, war schockiert von dieser neuen Strömung, er, der er doch selbst unwissentlich die Türe geöffnet hatte.

 

Quelle: Annelies Verbeek, 'Menniste Paus', Samuel Müller (1785-1875) und seine Netzwerke, Hilversum 2005.

 

 

Mennoniten verlassen die UdSSR in Richtung Deutschland

Autor: Hermann Heidebrecht 

Vor 1987 konnten nur einige Tausend Russlandmennoniten in die Bunderepublik Deutschland ausreisen. Ab diesem Jahr wurden die meisten Ausreiseanträge von Deutschen durch die sowjetischen Behörden genehmigt. Es kam dann zu einer Massenauswanderung, wie sie wohl in der Mennonitengeschichte noch nie stattgefunden hat. Es gab einige Gründe für die Ausreise fast aller Mennoniten aus der ehemaligen Sowjetunion.

 

Religiöse Unterdrückung in der Sowjetunion

Fast 70 Jahre dauerte nun schon die religiöse Unterdrückung. Die Christen wurden nicht nur bedrängt, sondern auch als rückständig und zurückgeblieben angesehen.

 

Nationale Unterdrückung in der Sowjetunion

Auch die nationale Unterdrückung der Russlanddeutschen, die von Hitlers Nationalsozialisten (in Russland nur Faschisten genannt) des II. Weltkriegs nicht unterschieden wurden, war auch für viele Mennoniten ein schwerwiegender Grund das Land zu verlassen. Zwar gab es in einigen Gebieten der Sowjetunion deutsche Schulen, deutsche Radiosendungen, deutsche Zeitschriften, aber dieses konnte den Zerfall der deutschen Identität nicht mehr aufhalten.

 

Politische und wirtschaftliche Gründe

Die meisten Mennoniten waren wohl nie mit der sowjetischen Politik einverstanden gewesen. Zu tief saß der Schmerz der Enteignungen, Verbannungen, Verhaftungen, Erschießungen und anderer Leiden der letzten Jahrzehnte. Es gab kaum eine mennonitische Familie, die keine Opfer zu beklagen hatte. Sie hatten kein Vertrauen in die sowjetische Regierungen und ihre Führer. Auch die wirtschaftlichen Gründe sprachen für die Auswanderung. Immer noch mangelte es den Menschen in den Städten und Dörfern der UdSSR an fast allem. Zwar hungerte keiner mehr, doch Brot, Butter, Milch, Zucker und andere Nahrungsmittel konnten in vielen Fällen, wenn sie nicht selbst hergestellt werden konnten, nur mit Mühe beschafft werden. Dasselbe galt für Kleidung, Möbel, Haushaltsgeräte und andere Waren.

 

Organisierte Betreuung von Umsiedlern

Die Mennonitische Umsiedlerbetreuung, die schon 1972 von den altansässigen Mennonitengemeinden gegründet wurde, hatte viele Jahre die Aufgabe den Neuankömmlingen bei ihrem Neuanfang zu helfen. Durch die Hilfe dieser Organisation konnten viele Ansiedlungsmöglichkeiten in Deutschland gefunden werden, an vielen Orten konnte mit den regelmäßigen kirchlichen Versammlungen begonnen werden und viele neue Kirchengemeinden konnten gegründet werden. Nachdem die Mennonitische Umsiedlerbetreuung 1994 ihre Arbeit eingestellt hatte, übernahm der von Aussiedlergemeinden gegründete Aussiedler-Betreuungsdienst diese Aufgaben. Beide Betreuungsdienste haben in diesen Jahren mehr als 100 000 Mennoniten oder Personen mennonitischer Herkunft schon in den Grenzdurchgangslagern und Landesaufnahmestellen begrüßt und beraten.

Ziele und konkrete Beispiele

Autor: Sylvia Shirk
Übersetzung: Martje Postma 

Der Hilfsfonds, in 1977 eingerichtet, ist die helfende Hand der französischen Mennoniten, die sich zu jenen Menschen ausstreckt, von denen wir wissen, dass sie zeitweilig oder auch auf längere Zeit in Not geraten sind.

 

Syrien

Das Jahr 2013 war von einer erneuten Hilfsaktion für Syrien gekennzeichnet. In einer email vom September dankt der Beauftragte des MCC für Syrien den Französischen und Schweizer Mennoniten für ihre 'fantastische und nicht nachlassende Hilfe, und Eure Gebete für das Syrische Volk. Die Pakete sind angekommen, und bei einer großen Anzahl verschiedener Kirchen an Flüchtlinge verteilt, die aus ihren Häusern vertrieben wurden...'

Seit dem Beginn des Konfliktes wurden mehr als 3500 Pakete mit Hygienebedarf, 200 Decken und eine Summe von € 15.000 in zwei Containern bis nach Jordanien und Syrien auf die Reise geschickt. 2013 beteiligten sich die Schweizer Mennoniten, und füllten den Container mit Eimern voller Hilfsgüter. Diese Schenkungen kamen von Einzelnen oder Haushalten. Die Versandkosten für die Container (etwa € 8.500) bezahlt aus Kollekten bei Konzerten einer Gruppe junger Künstler aus einer der Gemeinden bezahlt. Eine Gemeinde im nördlichen Elsass besorgte das Sortieren, die Vorbereitung und den Versand der französischen Hilfsgüter.

 

Afghanistan

Von Anfang an hat der Hilfsfonds ein Weihnachtsprojekt betrieben, um eine Not zu lindern die mehr eine chronische ist, und doch nicht weniger kritisch. In diesem Jahr wurden wir aufmerksam auf ein Schulprojekt zugunsten von Hazara Frauen und Kindern in Afghanistan.Das vor zehn Jahren von Mitgliedern einer unserer Kirchen begründete Projekt 'Der Pelikan' errichtete 2013 ihr erstes Tagesheim für Hazara Kinder. Das Projekt wuchs sehr schnell und wurde alsbald erweitert, um weiteren hundert Frauen und Mädchen Unterricht zu ermöglichen (Lesen und Schreiben und Nähkurse), sowie Lehrgänge für professionelles Backen und die Geschäftsführung von Kleinbetrieben, und vor zwei Jahren startete eine Unterrichtseinheit Zeichensprache. Im Jahre 2007 finanzierte der Hilfsfonds den Ankauf von Einrichtungsgegenständen für die Bäckerei.

 

Sieben Jahre später trugen die Schenkungen zur Schaffung eines Zentrums in Bamiyan bei, nach dem Vorbild von demjenigen in Kabul. Im November starb Jacques, Mitbegründer von 'Le Pélican'. Doch Ariane gibt nicht auf. Ihre Erklärung:

 

Der Pelikan musste seinen Platz hier auf dieser Hochebene finden, wo es nichts gibt außer armen Menschen, ohne irgendwelche Hilfsmittel: keine Schulen, keine Geschäfte, kein Krankenhaus, kein Strom, kein Wasser.....ihnen fehlt alles. Also ist es einfach, ihnen zu helfen!