Die Fußwaschung

Autorin: Geja Laan
Übersetzung: Martje Postma 

In den Mennonitengemeinden, denen ich dienen durfte, ist es nie zu einer Fußwaschung gekommen, obwohl mir durchaus bewusst ist, dass dieses Ritual in der weltweiten Glaubensgemeinschaft gepflegt wird. Es ist auch, wie ich weiß, jahrhundertelang Bestandteil des Glaubens- und Gemeindelebens verschiedener Mennoniten gewesen. Der Gedanke an eine Fußwaschung ist vielen in den Niederlanden befremdlich, so erfuhr ich in Gesprächen mit einigen Brüdern und Schwestern.

 

Berührend

Dennoch lese ich in jedem Jahr am Gründonnerstag, wenn wir Abendmahl feiern, aus dem Neuen Testament die Textstelle Johannes 13: 1-20 vor, in der berichtet wird, wie Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht, bei seinem letzten Abendmahl mit ihnen. Der Text rührt und inspiriert mich jedes Mal erneut, weil er in meiner Wahrnehmung zutiefst spüren lässt, worum es Gott und Jesus geht: um eine liebevolle Lebenshaltung, die aus dienen und nicht aus herrschen besteht.

 

'Wie neu'

Wenn der Evangelist Johannes berichtet, dass Jesus bei der Mahlzeit seine Kleidung ablegt, legt Jesus in meinem Verständnis gleichzeitig auch seinen möglichen äußerlichen Status ab. Für Jesus geht es nicht um äußeres Gehabe, sondern um das, was ein anderer wirklich gut macht. Er schlägt sich ein schlichtes Leintuch um und setzt sich einfach zu Füßen seiner Jünger hin, um ihnen die Füße sauber zu waschen. Um jeden Schmutz, der an ihnen klebt, wörtlich, doch auch im übertragenen Sinne, wie ich es verstehe, wegzuwaschen. Er setzt alles daran, sie zu erfrischen, und sie so wieder 'wie neu' auf die Beine zu stellen.

Er hat, aus seinem eigenen Willen heraus, Gutes mit ihnen vor.

 

Dienen aus freiem Willen

Wer gezwungen wird, jemandem die Füße zu waschen, für den ist es Sklavenarbeit. Allzu häufig sind besonders Frauen dazu gezwungen, in einem Muster der Dienstbarkeit vielerlei Tätigkeiten zu leisten, was eine unangenehme Situation ist, und schwierig, sich darin zu behaupten. Ist es jedoch eine eigene Wahl, in dienender Funktion tätig zu sein, dann ist das eine andere Geschichte. Dann ist es eine Form der Liebe, die göttliche Schönheit und Frieden ausstrahlt. Ein Glanz und eine Schönheit, die die Herrschenden der Welt auf unserer Erde niemals erreichen.