Ökumene – für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Autor: Fernando Enns

Für die Mennoniten sind seit Beginn der Ökumenischen Bewegung im 20. Jahrhundert gute Beziehungen zu anderen Kirchen wichtig. Sie waren an der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) beteiligt, der heute weltweit 350 Kirchen mit insgesamt ca. 550 Millionen Mitgliedern umfasst.

 

Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein

Der ÖRK wurde aufgrund der schrecklichen Erfahrungen von zwei Weltkriegen gegründet. Die Kirchen erkannten ihr Versagen, und insbesondere die Kirchen in Deutschland bekannten ihre Schuld. Die Gründungsversammlung des ÖRK hielt als einen der entscheidenden Sätze fest: ‘Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein‘. Seither setzen sich die Kirchen in der Ökumene gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ein. Von Anfang an hatten die anderen Kirchen großes Interesse an der Theologie der ‘historischen Friedenskirchen‘. Im Laufe der Jahrzehnte haben Mennoniten ihre Positionen in vielen ökumenischen Dialogen erläutert und sind auf Offenheit, aber auch auf Skepsis gestoßen.

 

Dekade zur Überwindung von Gewalt

Auf der 8. Vollversammlung des ÖRK in Zimbabwe (1998) initiierte ein mennonitischer Delegierter die ‘Dekade zur Überwindung von Gewalt. Kirchen für Frieden und Versöhnung‘. Der Vorschlag wurde von der Versammlung begeistert aufgenommen. Die Suche nach Möglichkeiten, um Gewalt zu überwinden, rückte ins Zentrum der Ökumenischen Bewegung – in theologisch-ethischen Überlegungen ebenso wie in praktischen Anwendungen. Die Mennoniten waren nun herausgefordert, ihre Haltung zu Frieden und Gewalt neu zu klären und den anderen Christinnen und Christen überzeugend darzulegen. Das Mennonitische Friedenszentrum Berlin wurde gegründet und eine umfassende ‘Erklärung zum Gerechten Frieden‘ erarbeitet.

 

Ein Pilgerweg des Gerechten Friedens

Ohne die Dekade zur Überwindung von Gewalt hätte die nächste Vollversammlung des ÖRK (Südkorea 2013) wohl kaum das neue, umfassende Programm für die kommenden Jahre beschlossen: einen ‘Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens’. Wieder waren Mennoniten maßgeblich beteiligt. Es geht darum, noch tiefer als bisher auch die spirituellen Wurzeln und Quellen des christlichen Glaubens für die Gestaltung einer gerechten und friedlichen Welt zu ergründen. Christen sollen Dimensionen ihres Glaubens eröffnet werden, die den aktiven Einsatz im politischen und gesellschaftlichen Leben formen und ausrichten. Solch eine gelebte Spiritualität führt nicht zur Flucht vor der Verantwortung in der Welt, sondern glaubt an die verändernde, transformative Kraft des Evangelium – mitten in Gewalt und Unrecht.