Wissenschaftliche Theologie und Friedensbildung

Autor: Fernando Enns

Im Jahr 2006 wurde mit der ‘Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen‘ an der Universität Hamburg (ATF) ein erstes wissenschaftliches Institut für mennonitische Theologie eingerichtet. Bis dahin mussten mennonitische Theologiestudierende, die sich auf Pastoren- oder Lehramt vorbereiteten, auf mennonitische Institute in den Niederlanden oder den USA ausweichen, wenn sie ihre Studien durch Geschichte und Theologie aus mennonitischer Perspektive ergänzen wollten.

 

Friedenstheologie

Der besondere Beitrag der Mennoniten zum internationalen ökumenischen Gespräch ist ihre Friedenstheologie, die auf Gewaltfreiheit basiert. Wie einige Täufer bereits im 16. Jahrhundert herausstellten, zeichnet sich christlicher Glaube durch eine Lebensgestaltung aus, die vom aktiven Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung geprägt ist. Das hat Auswirkungen auf die Art und Weise des Theologietreibens wie auch auf die Inhalte der Theologie selbst. Als Friedenstheologie findet sie ganz selbstverständlich im Horizont der ökumenischen Beziehungen zu anderen Kirchen, Traditionen und Kulturen statt und bemüht sich um interreligiösen Dialog. Daher arbeitet die ATF eng mit der Missionsakademie und der Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg zusammen.

 

Friedensbildung im weitesten Sinne

Friedenstheologie kann sich nicht auf das innertheologische Gespräch beschränken. Wenn Gewalt umfassend verstanden wird als direkte (von einzelnen Personen), indirekte (von politischen und wirtschaftlichen Systemen) und kulturelle Gewalt (Diskriminierungen unterschiedlichster Art), dann ist auch die Suche nach einer Befreiung von solcher Gewalt umfassend anzulegen. Die ATF hat früh einen ‘Interdisziplinären Arbeitskreis Peacebuilding‘ (mit)gegründet, in dem Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten. Wir erarbeiteten ein eigenes Curriculum zu Friedensbildung für Studierende aus allen Fächern, in dem die Relevanz von Theologie und Religion deutlich wird. Seit 2011 wird außerdem eine studienbegleitende Mediationsausbildung angeboten. Im regelmäßig stattfindenden mennoFORUM wurde zudem – in Zusammenarbeit mit der Mennonitengemeinde Hamburg – eine  öffentliche Plattform geschaffen, um aktuelle Themen mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion zu debattieren. In mehreren Publikationen, die inzwischen aus der Forschungsarbeit der ATF hervorgegangen sind, wird zudem sichtbar, wie sich Friedenstheologie und Friedensbildung als kompetente Gesprächspartner in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs einbringen.