Frankreich

Sprache: Französisch

Religionen: Römisch-katholisch 85%, Moslem 8%, Protestantisch 2%, Jüdisch 1%,

Bevölkerungszahl: 66 Million

Hauptstadt: Paris

Mennoniten in Frankreich

Anzahl Mennonitengemeinden: 32

Anzahl getaufter Mennoniten: 2,100 = 3,5% der europäischen Mennoniten. Hauptsächlich im Elsass ansässig.

 Ein Besuch in Frankreich?

Der Treffpunkt Prairie

Autor: Daniel Widmer
Übersetzung: Martje Postma 

Das Département Montbéliard umfasst auch Sochaux, wo die ursprüngliche französische Automobilfabrik Peugeot gelegen ist. Vor vierzig Jahren arbeiteten dort 40.000 Menschen, doch jetzt sind es nur noch 11.000. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch in diesem Gebiet, und viele Menschen leben dort unter schwierigen Umständen.

 

Um tätige Unterstützung zu bieten, nahm sich die Mennonitenkirche, ganz besonders unter der Leitung von Etienne Klopfenstein, die Schwierigkeiten der Menschen vor Ort zu Herzen. Zunächst verbrachten Freiwillige die Nacht mit den Wohnungslosen in einem staatlich geführten Heim, oder halfen bei der Heilsarmee bei der Verteilung von warmen Mahlzeiten.

 

Ein Treffpunkt wird geschaffen

Die Mitglieder der Gemeinde merkten schnell, dass dies nicht ausreichte, und ein neuer Gedanke machte die Runden: wir wollten ein eigenes Heim schaffen, um einige dieser Obdachlosen, die meisten von ihnen Arbeitslose, unterzubringen. In 1994 wurde eine leerstehende Molkerei angekauft, und von Baufirmen und Freiwilligen aus der Kirchgemeinde komplett renoviert. Dieses Heim, ganz in der Nähe von 'la Prairie' (der Mennonitenkirche in Montbéliard) gelegen, ist benannt nach der Gegend, in der es liegt. Das Heim wurde 1996 eröffnet, und bot 26 Einwohnern eine vorübergehende Unterkunft in Studios für Einzelne oder zwei Personen. Das 'Das Komitee der Geschäftsführung‘ wurde von Etienne Klopfenstein bis zu seinem Tode in 2012 geführt. Durch die Anwesenheit einer bezahlten Bürokraft ist immer jemand ansprechbar, und eine andere Person ist mit der Aufgabe betreut, für die Einwohner den passenden Wohnraum zu finden, in Zusammenarbeit mit den staatlichen Sozialarbeitern. Normalerweise gelingt das innerhalb von 6 Monaten.

 

Glaubenszeugnis

An jedem Wochentag bringen Freiwillige zwischen 14:00 und 17:00 Uhr Gebäck und Kaffee in den großen Gemeinschaftsraum, und sorgen für eine freundliche Atmosphäre, in der die Bewohner sich entspannen, und sich über ihre Probleme aussprechen können. Lionel, ein früherer Bewohner, und jetzt ein Mitglied der Mennonitengemeinde Montbéliard legte 2013 vor den anderen Gemeindegliedern vor seiner Taufe dieses Zeugnis ab:

 

Ich verließ mein Elternhaus mit 18, da ich mein eigenes Leben leben wollte. Ich fand Arbeit, und zu Anfang lief alles gut. Doch leider geriet ich in schlechte Gesellschaft, ich wurde drogenabhängig, verlor meine Arbeit und lebte als Obdachloser drei Jahre lang auf der Straße. […] Zwei Leute vom Zentrum freundeten sich mit mir an, und gaben mir eine Bibel[...] Einer der wöchentlichen Zentrumsbesucher las mit mir die Bibel und sprach mit mir über Gott. Da wurde mir klar, dass es eine Lösung für mein sinnloses Leben gab. Gott liebt mich wie ich bin: das stellt mein Leben auf den Kopf.

 

Barmherzigkeit üben

Autor: Michel Sommer   
Übersetzung: Martje Postma

Kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg drückten französische Mennoniten ihre Nächstenliebe durch die Gründung sozialer Einrichtungen aus, die meisten davon mit der Hilfe nordamerikanischer Mennoniten. Seit damals hat sich keine große Weiterentwicklung auf diesem Gebiet getan, mit der Ausnahme des 'Treffpunkts Montbéliard', wo Menschen mit sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten seit 1996 Hilfe erhalten haben.

Jedoch hat sich die Zahl an Menschen in Not bis heute nicht verringert. Woher also dieser Mangel an Initiativen? Was sind die heutigen Herausforderungen bei der Entwicklung von Projekten, die unserer Mitmenschlichkeit Ausdruck verleihen?

 

Mangel an Initiativen

Dafür gibt es viele Gründe, doch ganz besonders sind es drei davon. Zunächst einmal ist es heutzutage sehr viel schwieriger, anerkannte soziale Aktivitäten zu entwickeln, als das vor fünfzig Jahren der Fall war.

Zweitens, der Mangel an theologischer Schubkraft, die sich in konkreten Taten manifestiert. Die nordamerikanischen Mennoniten spielten in der Vergangenheit eine Schlüsselrolle, doch die Theologie des sozialen Handelns ist offensichtlich noch nicht ganz Bestandteil unserer französischen Mennonitengemeinden geworden.

Drittens könnte man sich fragen, ob die französischen Mennoniten seit den 50er Jahren mehr oder weniger die allgemeinen Werte der Gesellschaft übernommen haben. Sie sind besser integriert in der Gesellschaft, überwiegend besser ausgebildet, so haben sie jetzt Schwierigkeiten, sich mit den Ausgestoßenen der Gesellschaft zu identifizieren. Dieses Phänomen wird verstärkt durch den Kontext des dauernden Medienangebotes: 'die Medien ermöglichen uns zu sehen, und einfach wegzuschauen' (Jean-Marc Chappuis).

 

Herausforderungen

Was sind nun die Gebiete im französischen Kontext, wo Nächstenliebe auf neuere Weise ausgeübt werden könnte? Wir wollen uns dazu drei Gruppierungen mit besonderen Schwierigkeiten in der Gesellschaft ansehen.

 

Zunächst: die Fremden und Migranten. Die Erstarkung rechtsextremer Gedanken und ihr offeneres Auftreten sollte Christen dazu bringen, ihre Position neu zu durchdenken, da ihr Zeugnis der Liebe ihren Nachbarn sowohl als auch ihren Feinden gelten sollte. Leider treffen fremdenfeindliche Gedanken hier im Elsass auf fruchtbaren Boden. Sich für Fremde und Migranten einzusetzen wäre prophetisches Tun.

 

Zweitens: die Roma, eine stigmatisierte Bevölkerungsgruppe. Obwohl einige Mitglieder dieser Gruppe für unerwünschtes Verhalten verantwortlich sind, wecken aggressive Einstellungen und die zwangsweise Evakuierung einiger ihrer Niederlassungen Erinnerungen an schwarze Tage in Europa. Wenn Jesus heute in Gleichnissen sprechen würde, wäre möglicherweise ein Zigeuner dasjenige Vorbild für Barmherzigkeit, das er seinen Zuhörern zur Beachtung vorlegen würde.

 

Drittens: soziales Ungleichgewicht, die Scheidungsrate höher denn je, Individualismus als vorherrschendes Leitbild, und die Zunahme älterer Menschen. In diesem Kontext hat die Anzahl der alleinlebenden Menschen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Alleinerziehende berufstätige Mütter, zerrieben zwischen ihrer Arbeit, den Kindern und der Erschöpfung sollten in ihren praktischen und geistigen Nöten Zuspruch und Unterstützung finden.

 

Sollten wir daraufhin den Schluss ziehen, dass es in Frankreich bei den Mennoniten keine Barmherzigkeit mehr gibt?

 

Ziele und konkrete Beispiele

Autor: Sylvia Shirk
Übersetzung: Martje Postma 

Der Hilfsfonds, in 1977 eingerichtet, ist die helfende Hand der französischen Mennoniten, die sich zu jenen Menschen ausstreckt, von denen wir wissen, dass sie zeitweilig oder auch auf längere Zeit in Not geraten sind.

 

Syrien

Das Jahr 2013 war von einer erneuten Hilfsaktion für Syrien gekennzeichnet. In einer email vom September dankt der Beauftragte des MCC für Syrien den Französischen und Schweizer Mennoniten für ihre 'fantastische und nicht nachlassende Hilfe, und Eure Gebete für das Syrische Volk. Die Pakete sind angekommen, und bei einer großen Anzahl verschiedener Kirchen an Flüchtlinge verteilt, die aus ihren Häusern vertrieben wurden...'

Seit dem Beginn des Konfliktes wurden mehr als 3500 Pakete mit Hygienebedarf, 200 Decken und eine Summe von € 15.000 in zwei Containern bis nach Jordanien und Syrien auf die Reise geschickt. 2013 beteiligten sich die Schweizer Mennoniten, und füllten den Container mit Eimern voller Hilfsgüter. Diese Schenkungen kamen von Einzelnen oder Haushalten. Die Versandkosten für die Container (etwa € 8.500) bezahlt aus Kollekten bei Konzerten einer Gruppe junger Künstler aus einer der Gemeinden bezahlt. Eine Gemeinde im nördlichen Elsass besorgte das Sortieren, die Vorbereitung und den Versand der französischen Hilfsgüter.

 

Afghanistan

Von Anfang an hat der Hilfsfonds ein Weihnachtsprojekt betrieben, um eine Not zu lindern die mehr eine chronische ist, und doch nicht weniger kritisch. In diesem Jahr wurden wir aufmerksam auf ein Schulprojekt zugunsten von Hazara Frauen und Kindern in Afghanistan.Das vor zehn Jahren von Mitgliedern einer unserer Kirchen begründete Projekt 'Der Pelikan' errichtete 2013 ihr erstes Tagesheim für Hazara Kinder. Das Projekt wuchs sehr schnell und wurde alsbald erweitert, um weiteren hundert Frauen und Mädchen Unterricht zu ermöglichen (Lesen und Schreiben und Nähkurse), sowie Lehrgänge für professionelles Backen und die Geschäftsführung von Kleinbetrieben, und vor zwei Jahren startete eine Unterrichtseinheit Zeichensprache. Im Jahre 2007 finanzierte der Hilfsfonds den Ankauf von Einrichtungsgegenständen für die Bäckerei.

 

Sieben Jahre später trugen die Schenkungen zur Schaffung eines Zentrums in Bamiyan bei, nach dem Vorbild von demjenigen in Kabul. Im November starb Jacques, Mitbegründer von 'Le Pélican'. Doch Ariane gibt nicht auf. Ihre Erklärung:

 

Der Pelikan musste seinen Platz hier auf dieser Hochebene finden, wo es nichts gibt außer armen Menschen, ohne irgendwelche Hilfsmittel: keine Schulen, keine Geschäfte, kein Krankenhaus, kein Strom, kein Wasser.....ihnen fehlt alles. Also ist es einfach, ihnen zu helfen!

 

Krankenhausbesuche

Autor/Autorinnen: Jean-Paul Herzog, Mireille Peterschmitt und Sara Herzog
Übersetzung: Martje Postma 

Jede Woche gehen Fabienne in Strassburg und Odile in Sélestat ins Krankenhaus und dann wieder  nach Hause, jede in ihrer Stadt. Sie gehen dorthin um Patienten, deren Angehörige und anwesende Pflegekräfte zu treffen und ihnen zuzuhören. In diesen Institutionen, wo die Menschen Leiden und Pflege erfahren, Kummer und Freude,  Leben und Tod, sind Fabienne und Odile Krankenhausbesucherinnen. Ihr Dienst ist ein Ausdruck für ihre gesellschaftliche Teilnahme, die jene Menschen erreichen möchte, die unter Isolierung leiden. Sie tun dies entweder mit einem einmaligen Besuch, oder über längere Zeit. Ihre Besuche bringen noch einen anderen Besucher mit sich, den Herrn Jesus Christus, der sie in ihrem täglichen Dienst begleitet.

 

Eine Frage der Präsenz

In französischen Krankenhäusern ist der Besuchsdienst als Ergänzung der Tätigkeiten der dort Angestellten zu sehen, ein Ausdruck für den Wunsch, den Menschen als Ganzes zu sehen. In unserer französischen säkularen Gesellschaft müssen Krankenhausbesucher beweisen, dass ihre Anwesenheit dort aus einem legitimen Beweggrund heraus geschieht. Die Zeiten sind vorbei, in denen christliche Besucher sich ungehindert in den Krankenhäusern und Kliniken bewegen konnten. Genau wie Krankenhäuser Orte sind, wo Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten sich treffen, sind Krankenhäuser und Kliniken heutzutage Treffpunkte für Menschen verschiedener Glaubensrichtungen und Religionen.

 

Krankenhausbesuche gestalten sich ganz verschieden, je nach der Kultur oder Religion der Patienten. Und schließlich sind Krankenhäuser und Kliniken auch Orte, wo viele Fragen gestellt werden. Heutzutage lassen sich Spannungen auf medizinischem Gebiet feststellen, aufgrund menschlicher Beziehungen, aus technischen und wirtschaftlichen Gründen. Besucher müssen ihre Rolle in Bezug auf ethische Diskussionen spielen, und manchmal können sie Patienten auch zu anderen Menschen hinführen, die ihren Bedürfnissen eher gerecht werden können, vielleicht auch außerhalb der Klinikmauern. Unsere beiden Besucherinnen haben mehr als genug zu tun, in der Zeit, die ihnen zur Verfügung steht.

 

Seit 23 Jahren schickt, begleitet und unterstützt das Krankenhauspastorat 'Mitfühlend handeln' in Zusammenarbeit mit den protestantischen Kirchen in Elsass und Lothringen bezahlte Krankenhausseelsorger und einige Besucher als Freiwillige  in die Krankenhäuser. Mennoniten in Strassburg und besonders die Mennonitenkirche Strassburg waren die Begründer dieser kleinen Wohlfahrtseinrichtung. Evangelische Gemeinschaften in der Nachbarschaft beteiligen sich ebenfalls daran. Unsere Herzen sind voller Dankbarkeit zu Gott für Seine Treue und Hilfe, die dieses Unternehmen aus tätigem Glauben bis heute bestehen lässt.

 

Behinderten Menschen zugewandt

 Autor: André Hege
Übersetzung: Martje Postma 

Zwei Stiftungen in der Region von Paris 'Les Amis de l'Atelier' (Die Freunde der Werkstatt' und 'Domaine Emmanuel' (Tätigkeitsbereich Emmanuel) sind eng mit der Geschichte der Mennoniten verbunden. Diese Gruppen haben 4000 Menschen in 70 Institutionen und Diensten geholfen oder ihnen Richtung gegeben.

 

Geschichte

Diese Tätigkeit nahm ihren Anfang im Jahre 1950, durch die Freundschaft zwischen den Mennoniten und einer Familie mit einem behinderten Kind. Hilfe für das Kind war in dieser Situation vonnöten, und es wurde ein Treffpunkt für Kinder eingerichtet, in einem Fertighausschuppen, ohne Elektrizität oder Wasser. Diese unscheinbare Initiative wurde zu einer bedeutsameren Einrichtung, als das erste Zentrum für die 'Unterstützung durch Arbeit' in Châtenay-Malabry gegründet wurde, und danach ein zweites Zentrum mit Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen in Hautefeuille, östlich von Paris auf dem Lande.

 

Nach und Nach entwickelte sich unser Projekt, unterstützt durch staatliche Finanzhilfen. Wir sind professioneller geworden, besser befähigt die individuellen Erfordernisse jeder einzelnen Person zu verstehen, und können diese dadurch besser unterstützen. Die Räume gewähren die bestmögliche Unterbringung in Gemeinschaft. Ein häuslicher Pflegedienst wurde als Ergänzung der Dienstleistungen eingerichtet, für diejenigen, die mit der richtigen Unterstützung weiterhin zuhause wohnen können.

 

Beide Stiftungen haben spezielle Zentren ins Leben gerufen, die besonders auf die Bedürfnisse älterer Menschen mit Behinderungen gerichtet sind. Die Stiftung 'Domaine Emmanuel' unterhält Spezialzentren für Menschen, die nach einer psychischen Krankheit mit geistigen Behinderungen fertig werden müssen.

 

Geschwisterliche Liebe: verschiedene Ansichten akzeptieren

Einige unserer Heime bieten vollständige medizinische Versorgung für Menschen,  die einer intensiveren Pflege bedürfen. Beide Stiftungen haben heutzutage Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen mit schweren Behinderungen. Beide nehmen sie Menschen mit speziellen Bedürfnissen auf, besonders auch autistische Kinder, in Zusammenarbeit mit medizinischen Instituten. Indem wir dieses tun, verbreiten wir eine Botschaft von Respekt und Wertschätzung, die wir an Menschen mit Behinderungen weitergeben.

 

Wir möchten allen Menschen Wertschätzung und Respekt zeigen, und ihnen helfen,  soweit wie möglich für ihr eigenes Leben verantwortlich zu sein. Es ist auch unser Ziel, Menschen mit speziellen Bedürfnissen in eine reguläre Arbeitssituation einzubinden, wann immer dies möglich ist. Indem wir für Unterbringung und Arbeit sorgen, schaffen wir Integration und verringern das Gefühl der Isolation.

 

Wir glauben, dass geschwisterliche Liebe mehr und mehr angenommen wird, und sich zeigt in unserer Bereitschaft, verschiedene Ansichten gelten zu lassen. Unsere Erfahrung sollte sich immer nach den heutigen Bedürfnissen richten, und sowohl Kreativität als auch Anpassungsfähigkeit zeigen.

 

Unsere Webseiten (in Französisch)

http://www.fondation-amisdelatelier.org/

http://www.aede.fr/

 

 

Willkommen bei der Kirche

Autor: Madeleine und Bernard Huck
Übersetzung: Martje Postma 

Von einer  Freundin wurde ich ermutigt, doch einmal mitzukommen zu einem Gottesdienst in dieser Mennonitengemeinde. Ich bin eine Frau aus Afrika, ich habe nicht viele Bekannte und lebe in einer schwierigen Familiensituation. Mein Mann hat keine feste Arbeit, und das macht ihn manchmal nervös. Ich habe fünf Kinder, die Jüngste ist noch sehr klein. Und meine ältesten Söhne machen mir Sorgen.

 

Als Kirchgemeinde schlossen wir diese Frau bald in unser Herz und teilten ihre Sorgen. Wir gaben ihr bezahlte Arbeit, als Hausmeisterin. Sie hat es schwer in ihrer Familie, ihr Mann ist gewalttätig. Manchmal entflieht sie ihrem Zuhause und übernachtet auf dem Fußboden der Kirche. 'Endlich', sagt sie 'hier habe ich meinen Frieden.'

Wir kümmerten uns um ihre jüngste Tochter, als sie eine Reise zu ihrer Familie machte.

Sie besucht den Gottesdienst regelmäßig und kommt zur Frauengruppe. Sie saugt das Wort Gottes auf, das in ihrem Herzen arbeitet, und die Gnade Gottes verändert sie ganz allmählich.

 

Ihr Familienleben ist besser geworden, nachdem die Polizei einmal eingeschritten ist, und ihr Mann hat sich jetzt ein für allemal beruhigt.

Sie gewann die Herzen in der Kirchgemeinde. Wenn jemand krank ist, ist sie besorgt – sie sucht einen Bibelvers, der die Betreffenden mitten ins Herz trifft. Sie erkundigt sich nach ihnen.

 

Unsere Gemeinde hat ihr das Amt der Diakonin übertragen, und sie füllt diese Rolle perfekt aus. Sie nennt mich ihre 'Herzensfreundin', und das ist tatsächlich das, was sie mir ist.

Eine Bekannte, die sie sehr gut kennt, vertraute mir an, dass diese Schwester eines Sonntags als das Abendmahl ausgeteilt wurde, zu ihr kam, mit dem Brot und dem Wein. Sie war zutiefst gerührt. Gott allein die Ehre!

 

Dieses Zeugnis könnte den Eindruck erwecken, dass Willkommen heißen, Integrieren, Unterstützen und Wachstum fördern großes Geschick erfordere. Tatsächlich ist es ganz einfach. Was erforderlich ist, ist ein großes Herz, voller Mitgefühl. Mitgefühl ist nicht Mitleid, sondern Liebe. Etwas ganz Natürliches, das sich von selber einstellt, das keine Fragen stellt. Doch vor allem zeigt es die Kraft Gottes, der 'Heiler der Brüche', Derjenige, der aufrichtet und sammelt. Der Vater, der sicherstellt, dass seine Kinder, so unterschiedlich sie sein mögen, fähig sind sich gegenseitig zu begrüßen, sich zu verstehen und sich zu lieben. 

 

Einstellungen

Autor: Theo Hege
Übersetzung: Martje Postma 

In Frankreich entstand die Sozialarbeit der mennonitischen Kirchen in Frankreich aus den umfangreichen Hilfsaktionen des Mennonitischen Zentralkomitees (MCC), die während des Zweiten Weltkrieges ihren Anfang nahm.

 

Hilfe für Hilflose

In den Jahren 1945 und 1946 setzten sich die mennonitischen Kirchenleitenden für ein Engagement der Kirchen aus Nächstenliebe ein. Dieses Vorgehen machte es möglich, das von dem MCC begonnene Werk auch nach dessen Fortgang weiterzuführen, durch die Schaffung der Institutionen 'Association Fraternelle Mennonite'(Mennonitischer Verband Bruderhilfe)  und der 'Association du Mont des Oiseaux' (Verband von Mont des Oiseaux).  Dieses ermöglichte den Ankauf eines Grundstücks im Valdois, in der Nähe von Belfort, und die Errichtung eines Kinderheims, in 1950, und im Jahr darauf den Ankauf eines zweiten Kinderheims in Mont des Oiseaux, in der Nähe von Wissembourg (Weißenburg). Dieses Kinderheim wurde zu einer Heimstatt für Kinder und Erwachsene mit psychischen oder geistigen Behinderungen.

 

Außerdem begann eine aus Amerika stammende mennonitische Missionstätigkeit, weitergeführt durch die 'Mission Mennonite Française', um 1953 in Châtenay-Malabry, und diese gründete eine Kirche im Ort. Zugleich fand dort eine lokale Initiative für die Arbeit mit geistig behinderten Kindern Aufnahme. Das Zusammenwachsen dieser sozialen Einrichtung mit der Verkündigung des Evangeliums geschah nicht ohne Schwierigkeiten. Der Verein 'Les Amis de l'Atelier' (Die Freunde der Werkstatt) wurde 1961 ins Leben gerufen, und wurde dann in 2011 in eine Stiftung umgewandelt.

 

Stützpunkt und ausländische Studierende

Im Jahre 1966 nahm die 'Mission Mennonite Française' die Initiative für einen Stützpunkt, der Arbeit und Unterbringung ermöglichte. Heute hat diese Institution einen anderen Namen, und heißt: 'Vereinigung der Institutionen des Bereichs Emmanuel' (AEDE). Die Gesamtheit der unter diesem Namen zusammengefassten Institutionen und Dienste lässt sich in folgenden Zahlen wiedergeben: 91 Institutionen und Dienste, 4.188 betreute Personen, 2.633 Mitarbeiter. Die Finanzmittel entstammen weitgehend der öffentlichen Hand.

 

Ebenfalls hat die 'Mission Mennonite Française' 1976 eine Wohnmöglichkeit für ausländische Studenten geschaffen, die sich bis 1998 gehalten hat. 1995 eröffnete die Mennonitische Kirche von Montbéliard eine Wohnanlage mit 12 Studios, sie heißt 'Maison d'Accueil de la Prairie' (Wohnheim der Prairie).

 

In 1977 wurde beim Ankauf des Gebäudes für den neuen mennonitischen Kirchenraum eine kleine Wohnanlage mit sieben Räumen für Studenten eröffnet. Heute, 2014, ist diese vergrößert und enthält 14 Räume und 9 Studios.

 

 

Von der Wohltätigkeit Einzelner zur organisierten Sozialarbeit

Autor: Frédéric de Coninck 
Übersetzung: Martje Postma 

Wie ist es zu erklären, dass viele Menschen, die sich individuell zugunsten  hilfreicher Aktivitäten für Menschen in Not einsetzen, sich sofort zurückhaltend aufstellen, wenn wir eine Diskussion führen wollen über die Strukturen, die diesen Problemen zugrunde liegen?

Zusammen Weihnachten feiern

Autor: Paul Hege
Übersetzung: Martje Postma 

Seit einigen Jahren beteiligt sich die Mennonitengemeinde in Straßburg an der Aktion 'Vivre Noël Ensemble' – Weihnachten gemeinsam erleben. Diese Feier erlaubt es uns, unseren Glauben im Dienst unserer Nächsten zu leben, unser Verständnis von Weihnachten zu erneuern und als Team mit anderen in unserer Stadt aktiv zu sein.

 

Gemeinsamkeit

Jedes Jahr haben 15 bis 20 Menschen aus unserer Gemeinde sich entschieden, die Christnacht, vom 24. auf den 25. Dezember, mit etwa der gleichen Anzahl an Gästen zu verbringen, Menschen vom Rande der Gesellschaft, die sonst ein sehr trauriges und einsames Weihnachtsfest verbringen würden. Keiner und keine von uns bedauert diese Erfahrung. Einige beschreiben die Freude an einem solch andersartigen Christfest, das sich stärker an unsere Nachbarn richtet, und durch die spontanen Beiträge unserer Gäste bereichert wird. Andere sind dankbar für den Reichtum und Tiefe der Gespräche mit unseren Gästen, trotz der Sprachbarriere, die es manchmal gibt. Einige Kontakte bleiben erhalten und manche werden sogar zu Freundschaften. Viele sagen, dass diese Zeiten uns die Augen öffnen für die Nöte und die Armut, die wir täglich erfahren, ohne sie richtig wahrzunehmen.

Für die Kirche ist es ein schönes Projekt, in dem jedes Gemeindeglied einen Platz findet, Paare und Alleinstehende gleichermaßen wie Kinder, und Erwachsene ebenso wie ältere Menschen.

Wir ermutigen jedes Mitglied zur Teilnahme, und wir stellen fest, dass viele bereit sind, es im darauf folgenden Jahr zu wiederholen.

 

Ökumenisch

'Vivre Noël Ensemble' entstand zunächst als eine christlich solidarische Initiative einer Kirchgemeinde. Heute ist es eine Organisation, bei der verschiedene christliche und nicht-christliche Vereine und Verbände und einige Kirchen involviert sind, und diese verhelfen etwa 300 Menschen am Rande der Gesellschaft dazu, das Weihnachtsfest  würdig zu begehen.

Sie werden von den verschiedenen Partnern willkommen geheißen, jeweils an ihrem eigenen Standort, entsprechend der dortigen Möglichkeiten. Das gesamte Team ist zuständig für die Mahlzeit, ein Geschenk für jeden Gast, und die Weitervermittlung zu den verschiedenen Örtlichkeiten. Dort richten dann die Teams der Gastgeber ihre Aufmerksamkeit und Energie auf ein ansprechendes Willkommen. Die Organisation organisiert ebenfalls ein freundschaftliches Treffen in der Innenstadt, unter dem großen Weihnachtsbaum, wo das Fest seinen Anfang nimmt, mit heißen Getränken, Gebäck und Musik: hier treffen sich die Gäste und die Gastgeber, bevor die Gruppen auseinandergehen und die Feier in den jeweiligen Räumlichkeiten weitergeführt wird.

 

Als kleine Kirche in unserer großen Stadt sind wir sehr glücklich, dass wir unseren Platz in diesem Projekt gefunden haben, das von Christen ausging, und dann mit anderen geteilt, und wir glauben, dass wir darin unserem Herrn in Straßburg die Ehre erweisen.

 

 

 

‘Foyer Grebel’

Autor: Neil Blough
Übersetzung: Martje Postma 

Bedingt durch die Geschichte Frankreichs als Kolonialmacht, kommen jedes Jahr zehntausende französisch-sprachige Afrikaner zum Studium dorthin. Als eine Fortführung der Zusammenarbeit zwischen französischen und nordamerikanischen Mennoniten wurde 1977 in Paris ein Besucherzentrum für Studenten aus Afrika  gegründet, das 'Foyer Grebel' in Saint Maurice. Niederländische und Schweizer Mennoniten beteiligten sich schon bald an dem Projekt, das sich zu einem interessanten Beispiel für missionarische Zusammenarbeit entwickelte.

 

Interkulturell

Das Foyer ermöglichte eine vorübergehende Unterbringung, und Hilfe bei der Suche nach gesicherten Bedingungen für die Durchführung eines Studiums. Die Mitarbeiter im Foyer wurden schnell vertraut mit den sozialen und ökonomischen Schwierigkeiten, denen die Studenten begegneten. Wie konnten solche Probleme gelöst werden? Wie könnte das Misstrauen zwischen dem Norden und dem Süden überwunden werden? Das Foyer wurde zum Begegnungsort für gemeinsames Lernen. Die Sonntagabende entwickelten sich zu einer Zeit für gemeinsame Mahlzeiten, und interkulturellen Austausch. Neue Beziehungen und interkultureller Brückenbau entwickelten sich aus diesem Zusammensein, sowie Austausch in Diskussionen, gemeinsames Kochen, und eine gemeinsame Anstrengung zur Problemlösung. All dieses trug für die Teilnehmer dazu bei, ihr Mitgefühl und ihren Gerechtigkeitssinn zu schärfen. Für viele war es die erste Gelegenheit für einen wirklichen Austausch mit 'Anderen', seien sie schwarz oder weiß, Europäer oder Afrikaner.

 

Zuwendung

Viele der afrikanischen Studenten waren Christen, die sich nicht immer willkommen fühlten in den Kirchen in Paris. Einige der Treffen wurden zu Bibelkreisen, zum Singen und Beten. Neue Arten, Dinge zu tun waren manchmal verwirrend, doch zu jeder Zeit eine Quelle der Bereicherung. Aus diesen Treffen entwickelte sich eine multikulturelle Gemeinde, begierig nach neuen Beziehungen zwischen Menschen verschiedener Herkunft.

 

Das Evangelium ruft die Menschen auf zu Mitgefühl: 'Selig sind die Barmherzigen'. In diesem Falle erfuhren die Menschen, die ihr Mitgefühl zeigen wollten, häufig, was das bedeutete für diejenigen, denen man 'Hilfe' anbieten wollte. Das Foyer Grebel half den Mennoniten, die Welt der Fremden in Paris kennenzulernen. Es verhalf denen, die dort arbeiteten dazu, ein Verständnis für kulturelle Unterschiede, der Kolonialgeschichte und deren Erblast zu bekommen. Es war ebenfalls eine Möglichkeit, die weltweite Christenheit, die sich außerhalb Europas entwickelte, kennenzulernen.

 

Multikulturelles Erbe

Ein noch größeres Zentrum wurde dann in der Nachbarstadt Maisons-Alfort gebaut. Vorübergehende Unterkunftsmöglichkeiten wurden bis 1998 angeboten, bis ein Stadterneuerungsprojekt die Schließung des Projektes erzwang. Dennoch erhielt das Foyer Grebel zwei 'Nachkommen', die bis heute bestehen: die Christliche Gemeinschaft Foyer Grebel, die sich zur Mennonitengemeinde Villeneuve le Comte entwickelt hat, und das Mennonitenzentrum in Paris, das ihren Anfang in dem ersten Gebäude in Saint Maurice nahm, als das Foyer nach Maisons-Alfort umzog. Das multikulturelle Erbe des Foyer Grebel lebt weiter, als beständiger Aufruf für Mitgefühl und Gerechtigkeit unter den Völkern.