Vertrauen auf das unmittelbare Wirken des Heiligen Geist

Autorin: Beate Zipperer

Nur selten zeigt sich in mennonitischen Gemeinden für die gottesdienstliche Versammlung eine schriftlich fixierte oder gar liturgische Form. Das bedeutet aber nicht, dass der Gottesdienst ohne Struktur und Ordnung abläuft oder gar dem Zufall überlassen wird. Es bedeutet vielmehr, dass sich Gemeinden auf das unmittelbare Wirken des Heiligen Geist verlassen. Die gottesdienstliche Praxis und das gemeindlichem Leben ist so unterschiedlich und lebendig wie die Menschen selbst, die dieses gestalten. Es gibt Gemeinden die einen deutlich charismatischen Charakter haben, aber auch solche, die mehr pietistisch ausgerichtet sind.

 

Gottesdienst

Es gibt verschiedenste Gottesdienstformen, Gebetshaltungen und Musikstile. Unterschiede in Kultur, Tradition und Temperament der Menschen bestimmen die Spiritualität sowie die äußere Form der Gottesdienste. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das gemeinsame musizieren und das gemeinsame beten, zentrale Rollen sowohl im Gottesdienst als auch bei anderen gemeindlichen Zusammenkünften einnehmen.

Am besten lässt sich wohl eine kurze Zusammenfassung der drei Teile einer gottesdienstlichen Versammlung mit folgenden Worten zusammenfassen:

 

Gemeinschaft mit Gott

Sich bewusst in die Gemeinschaft mit Gott stellen: zu ihm kommen; ihn loben; ihm danken Dieser Teil ist der Beginn der gottesdienstlichen Versammlung: Begrüßung der Gemeinde, gemeinsames beten und singen, sowie weitere Element z:B. Textlesung, Anspiele oder Glaubens-Zeugnisse führen die Gottesdienstbesucher in die Gegenwart Gottes.

 

Verkündigung

Wir hören auf Gott - Gott zu Wort kommen lassen. In diesem Teil des Gottesdienstes wird von berufenen Predigern (das können Theologen oder Laienprediger sein) in der Predigt, Gottes Wort ausgelegt.

 

Gemeinschaft miteinander

Anteil nehmen aneinander und an dem, was um uns herum geschieht

Miteinander Abendmahl feiern und Segnungen, das miteinander teilen von Erfahrungen/Erlebnisse/Zeugnisse von Gottes Wirken/Eingreifen gehören ebenso in diesen Teil der Gottesdienste wie der Informationsaustausch zu gemeindlichen und weltweiten Anliegen. Dieser Teil beschließt meist die Versammlung am Sonntag.

 

Gemeinschaft leben – im Glauben wachsen – Glauben leben

‘Essen hält Leib und Seele zusammen‘. Dieses deutsche Sprichwort gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern wörtlich auch für gelebte Gemeinschaft in der Gemeinde. Deshalb ist es in vielen Gemeinden üblich miteinander zu essen. Nach dem Gottesdienst lädt man ein zu Kaffee und Kuchen. Zu besonderen Festen wie z.B. bei Taufen, zur Gemeindeversammlung, zu Erntedank und auch sonst einmal, isst die Gemeinde gemeinsam zu Mittag. Gemeinschaft leben in den unterschiedlichsten Kleingruppen: in Glaubenskursen, Hauskreisen, Seniorennachmittagen, im Chor, Posaunenchor, der Theatergruppe usw.

Wachsen im Glauben und Glauben leben im Alltag, werden durch den Erfahrungsaustausch mit Geschwistern lebendig.