Österreich / Deutschland Sud

 

Sprache: Deutsch

Religionen: Römisch-Katholisch  75%, Protestantisch 5%, Moslem 4%

Bevölkerung: 8 Million

Hauptstadt: Wien

Mennoniten  in Österreich

Anzahl Mennonitengemeinden : 6

Anzahl getaufter Mennoniten  in Österreich: 424 = 0,7%  der europäischen Mennoniten

Mennoniten  in Süddeutschland

MFÖ;   AMG ; AMBD ;

Ein Besuch in Österreich?

Ein Teil der 9000 km langen Migrations Route.

Mennoniten – Traditionell Modern mit bleibenden Werten?!

Autorin: Beate Zipperer

Schon wenn Kinder aus mennonitischen Familien in den Kindergarten kommen, spätestens aber wenn sie zur Schule zum Religionsunterricht gehen wollen, kommt es zu erklärungsbedarf für Schule und Familie. Besonders in Bayern, in der katholisch geprägten Landschaft sind Mennoniten einfach ‘Exoten‘. Erklärt man, was Mennoniten sind bzw. was Mennoniten ausmacht, kommt man unweigerlich dazu, Normen und Werten, die die Gemeinde lebt, zu überdenken.

 

Eine Familie?

‘Mennonit-Sein‘ wurde sozusagen in der Familie weitergegeben. Sind wir also deshalb heute noch eine „Familienkirche“?! Verändert sich das „mennonitische Gemeindegefüge“ langsam? Traditionen leben nur (weiter), wenn sie von innen mit Werten und Normen gefüllt werden.

Normen und Werte werden allein durch die Aussagen Jesu Christi begründet. Zusätzlich wurden diese mit frühen reformatorischen Gedanken gefüllt, die auch in anderen christlichen, besonders in evangelisch, protestantisch geprägten Kirchen gelten. Zusammengefasst sind das die folgende Punkte:

 

Sola scriptura – allein die Bibel ist die Grundlage unseres Glaubens (Galater 2, 6-9)

Solus Christus – allein Jesus Christus hat Autorität über Gläubige (Epheser 5, 23-24)

Sola gratia – allein durch die Gnade Gottes wird der Mensch errettet (Römer 1, 17)

Sola fide – allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt (Galater 2, 16)

 

Leitlinien

In vielen Gemeinden werden ‘Leitlinien für das Zusammenleben‘ entwickelt und formuliert. Immer wieder werden sie überarbeitet, erweitert und angepasst an die Lebensumstände, in der sich die Gemeinschaft befindet. Gemeinden sind lebendige Organismen, mit Menschen, die nach Gottes Verheißungen streben; die dadurch erfüllt und gefüllt werden aus Gottes Heiligem Geist. In Auszügen heißt es in unseren Ortsgemeindeleitlinien:

 

Glauben-leben: Mittelpunkt ist für uns der in der Bibel bezeugte Gott,

Diese Wirklichkeit Gottes erfahren wir. Dafür zu leben ist die Berufung und Auftrag (Mission) aller Christen und christlichen Gemeinden.

 

Glauben-leben: Sich anderen Menschen zuwenden

Jesus Christus vermittelte auf vielfältige Weise Gottes Liebe und Lebensvorstellungen. Er ist uns konkurrenzlos wichtig. Ihm folgen wir.

 

Glauben-leben: Gottes Wirken im Alltag erfahren und Raum geben

Durch das Zeugnis der Bibel spricht uns Gott persönlich an. Die Bibel, wie wir sie unter der Leitung des Heiligen Geistes im Gespräch miteinander auslegen, ist Richtschnur für unser Leben und unsere Lehre. Das erfordert immer wieder neu unsere Bereitschaft zum Hören auf Gott und aufeinander.

 

Glauben-leben: Miteinander Gemeindeleben gestalten und verantworten

Entsprechend unseren Gaben und Möglichkeiten bringen wir uns erkennbar in das Gemeindeleben ein und haben Anteil an ihrem Zeugnis von Jesus Christus.

Räume für Gottesdienst, Gebet und Gemeinschaft

Autorin: Beate Zipperer

Heutzutage ist es völlig normal, dass Gemeinden eigene Gemeindezentren besitzen. Also Räume, in denen sich das Gemeindeleben abspielt. Genauso normal ist es auch, sich mit anderen Gemeinden Räume zu teilen. Doch im Verlauf der mennonitischen Geschichte gibt es eine reichhaltige Liste von Räumen, in denen sich Gemeinden versammelten. In Zeiten der Verfolgung traf man sich in verborgenen Höhlen oder unter großen alten Bäumen, manchmal einfach auch auf weiter Flur oder sehr heimlich in Privatquartieren der Gemeindeglieder. Das gilt auch für Gemeinden im südlichen Deutschland. Später fanden die Gemeinde-Treffen in gewöhnlichen Gebäuden statt. Das konnten Höfe, Häuser, Wirtschaften, Scheunen, Lagerhallen oder jedes andere Gebäude sein.

Es entwickelte sich keine eigene ‘mennonitische Architektur‘ im eigentlichen Sinne, obwohl man ’klassische‘ Merkmale in mennonitischen Versammlungs- und Bethäusern findet. Diese Merkmale entstanden, weil der Versammlungsort von der Theologie, von der gottesdienstlichen Praxis, sowie den wirtschaftlichen und politischen Einschränkungen der Glaubensgemeinschaft bestimmt wurde. All diese von Gemeinden genutzten Räume erfüllen einen einzigen, aber wesentlichen Zweck: die Gemeinde versammelt sich darin, um Gottes Wort zu lesen, von Gottes Wort zu hören, Gottes Wort auszulegen und um Gottes Wort mit Leben zu füllen. Folgerichtig werden Taufe und Abendmahl darin gefeiert ebenso wie gemeinsame Mahlzeiten eingenommen. Je nach Gemeindegröße entwickeln sich Möglichkeiten neue Versammlungsräume, nach den gemeindeeigenen Bedürfnissen zu errichten oder Räume anzumieten, die den Gemeindeansprüchen dienen. Einige Gemeinden in Süddeutschland haben eigene Gemeindezentren (z.B. Ingolstadt, Regensburg). Andere sind in ‘Untermiete‘ bei anderen Gemeinden (z.B. Augsburg, München).

 

Keine heilige Orte

Die genutzten Räume sind also keine ‘ausschließlich heiligen Orte‘, sondern es sind meist überdachte Räume, an denen die Gläubigen Gott und einander dienen. Die Beziehungen zwischen Menschen innerhalb der Gemeinde prägen die Atmosphäre der Räumlichkeiten und bringen sichtbar und spürbar die gelebte Beziehung zu Gott und zueinander zum Ausdruck. Gottesdienst und Versammlung der Gemeinde in Jesus Christus verleihen dem Ort, dem Raum also seine Bedeutung.

 

Offene (W)Orte als Chance

Im Jahr 2013 öffneten wir unsere Räume für die Mittagsbetreuung von Schulkindern, da die Stadt die Schule umbauen und sanieren musste. Es ergaben sich gute Gesprächsmöglichkeiten mit Verantwortlichen der Stadtverwaltung ebenso wie zu Betreuern, Eltern und Kindern, die über drei Monate in unserem Gemeindezentrum zu Gast waren. Offene Orte können also eine Chance sein, offene Worte über Jesu Rettungsbotschaft (wieder) neu ins Bewusstsein anderer Menschen zu bringen.

Beruf und Berufung

Autorin: Beate Zipperer

Der Alltag mennonitischer Familien unterscheidet sich nicht wesentlich vom Alltag anderer Familien. Man lebt und arbeitet in den Familien, wie es überall üblich ist. In vielen Familien hat aber das gemeinsame Beten nach wie vor einen besonderen Platz. Man liest gemeinsam in der Bibel und betet miteinander, um den Tag zu beginnen bzw. abzuschließen und um sich bewusst zu machen, dass wir allein von Gottes Gnade abhängig sind. Auch heute noch sind viele Mennoniten im südlichen Teil Deutschlands im landwirtschaftlichen Bereich tätig.

 

Landwirtschaft

Das liegt nicht zuletzt daran, dass König Maximilian IV Joseph im 19. Jahrhundert alles daran gesetzt hat, Mennoniten im Süden des Landes, in Bayern, Baden-Württemberg und der Pfalz anzusiedeln, um die freien Flächen zu bewirtschaften. Seitdem werden Höfe von Generation zu Generation oder innerhalb der Gemeinde weitergegeben. Das Leben auf den landwirtschaftlichen Betrieben unterliegt dem Rhythmus der jahreszeitlichen Arbeiten und ist geprägt von reger Betriebsamkeit. Sowohl dem Menschen als auch der Schöpfung und damit Gott dienen, ist eines der Hauptziele in der Tradition mennonitischen Ackerbaus. Eine große Herstellerfirma von landwirtschaftlichen Maschinen und Fahrzeugen im Süden des Landes hat ihre Wurzeln in dieser Tradition und füllt zudem die Geschäftsidee mit den Grundwerten des biblisch begründeten Menschen- und Gesellschaftsbildes.

 

Berufe Heute im Bewusstsein der Mission

Heute arbeiten und engagieren sich viele Mennoniten auch im sozialen und medizinischen Bereich. Pflegerische und heilende Berufe sind in den Gemeinden daher weit verbreitet. Dem biblischen Auftrag ‘einander zu helfen, sich gegenseitig zu unterstützen und in Liebe füreinander zu sorgen‘, wird damit ein hoher Stellenwert eingeräumt und ihm nachgekommen.

Im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Wahl eines Berufes heutzutage nicht mehr nur an den mennonitischen ‘Traditionen‘ orientiert, sondern dass Mennoniten ihren Auftrag ‘Jesu Liebe weiterzutragen‘ in allen beruflichen Feldern des gesellschaftlichen Lebens leben.

 

Vertrauen auf das unmittelbare Wirken des Heiligen Geist

Autorin: Beate Zipperer

Nur selten zeigt sich in mennonitischen Gemeinden für die gottesdienstliche Versammlung eine schriftlich fixierte oder gar liturgische Form. Das bedeutet aber nicht, dass der Gottesdienst ohne Struktur und Ordnung abläuft oder gar dem Zufall überlassen wird. Es bedeutet vielmehr, dass sich Gemeinden auf das unmittelbare Wirken des Heiligen Geist verlassen. Die gottesdienstliche Praxis und das gemeindlichem Leben ist so unterschiedlich und lebendig wie die Menschen selbst, die dieses gestalten. Es gibt Gemeinden die einen deutlich charismatischen Charakter haben, aber auch solche, die mehr pietistisch ausgerichtet sind.

 

Gottesdienst

Es gibt verschiedenste Gottesdienstformen, Gebetshaltungen und Musikstile. Unterschiede in Kultur, Tradition und Temperament der Menschen bestimmen die Spiritualität sowie die äußere Form der Gottesdienste. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das gemeinsame musizieren und das gemeinsame beten, zentrale Rollen sowohl im Gottesdienst als auch bei anderen gemeindlichen Zusammenkünften einnehmen.

Am besten lässt sich wohl eine kurze Zusammenfassung der drei Teile einer gottesdienstlichen Versammlung mit folgenden Worten zusammenfassen:

 

Gemeinschaft mit Gott

Sich bewusst in die Gemeinschaft mit Gott stellen: zu ihm kommen; ihn loben; ihm danken Dieser Teil ist der Beginn der gottesdienstlichen Versammlung: Begrüßung der Gemeinde, gemeinsames beten und singen, sowie weitere Element z:B. Textlesung, Anspiele oder Glaubens-Zeugnisse führen die Gottesdienstbesucher in die Gegenwart Gottes.

 

Verkündigung

Wir hören auf Gott - Gott zu Wort kommen lassen. In diesem Teil des Gottesdienstes wird von berufenen Predigern (das können Theologen oder Laienprediger sein) in der Predigt, Gottes Wort ausgelegt.

 

Gemeinschaft miteinander

Anteil nehmen aneinander und an dem, was um uns herum geschieht

Miteinander Abendmahl feiern und Segnungen, das miteinander teilen von Erfahrungen/Erlebnisse/Zeugnisse von Gottes Wirken/Eingreifen gehören ebenso in diesen Teil der Gottesdienste wie der Informationsaustausch zu gemeindlichen und weltweiten Anliegen. Dieser Teil beschließt meist die Versammlung am Sonntag.

 

Gemeinschaft leben – im Glauben wachsen – Glauben leben

‘Essen hält Leib und Seele zusammen‘. Dieses deutsche Sprichwort gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern wörtlich auch für gelebte Gemeinschaft in der Gemeinde. Deshalb ist es in vielen Gemeinden üblich miteinander zu essen. Nach dem Gottesdienst lädt man ein zu Kaffee und Kuchen. Zu besonderen Festen wie z.B. bei Taufen, zur Gemeindeversammlung, zu Erntedank und auch sonst einmal, isst die Gemeinde gemeinsam zu Mittag. Gemeinschaft leben in den unterschiedlichsten Kleingruppen: in Glaubenskursen, Hauskreisen, Seniorennachmittagen, im Chor, Posaunenchor, der Theatergruppe usw.

Wachsen im Glauben und Glauben leben im Alltag, werden durch den Erfahrungsaustausch mit Geschwistern lebendig.

 

Sonntagsschule, Pfadfindergruppen, Glaubenskurse und Seminare für Kinder

Autorin: Beate Zipperer

Kinder

Das Weitererzählen der biblischen Geschichten für Kinder ist nicht nur in den Familien üblich, sondern findet auch regelmäßig am Sonntag statt. Während die Erwachsenen Gottesdienst feiern, sind in vielen Gemeinden die Kinder mit einem oder mehreren Mitarbeitern im Kindergottesdienst. In manchen Gemeinden heißt diese Zeit immer noch ’Sonntagsschule’, obwohl es hier nicht wie in der Schule zugeht. Es gibt weder Noten noch werden die Kinder nach ihrem Wissen beurteilt, sondern lernen Jesus Christus kennen und üben miteinander ein, wie man als Jesusnachfolger leben kann und sollte. Die Kinder tauschen Gedanken und Gefühle über das Gehörte aus, stellen Fragen, sind miteinander im Gespräch. Sie beten und singen miteinander und sie basteln und spielen.

In unserer Gemeinde, Evangelische Freikirche Mennonitengemeinde Ingolstadt e.V. sind die Kinder am Beginn des Gottesdienstes mit den Erwachsenen zusammen und gehen dann zu ihrem eigenen Programm. Sie treffen sich in vier verschiedenen Altersgruppen, um miteinander dem Alter entsprechend die Geschichten aus der Bibel zu hören und/oder glaubensrelevante Themen zu diskutieren.

Auch Kinderbibelwochen werden in einigen Gemeinden angeboten. Kinderbibelwochen sind sehr beliebt bei den Kindern und bieten die Möglichkeit, das eigene biblische Wissen zu vertiefen und um Freunde aus der Schule und dem Bekanntenkreis einzuladen, um mit ihnen über den Glauben an Jesus ins Gespräch zu kommen. In manchen Gemeinden ist auch die Arbeit der Royal Rangers, christliche Pfadfinder gut eingebunden.

 

Für Jugendliche und junge Erwachsene

Der sogenannte Taufunterricht ist mittlerweile in vielen Gemeinden mit Glaubensunterweisung oder Gemeindeunterricht oder Biblischer Unterricht überschrieben. Dieses Angebot für Jugendliche führt nicht automatisch zur Taufe, sondern ist eine Möglichkeit, sich intensiv mit den theologischen Grundlagen christlichen Glaubens auseinanderzusetzen und auch die geschichtlichen Hintergründe der Täuferbewegung zu beleuchten, aber auch sich mit der eigenen Glaubenspraxis auseinanderzusetzen.

In Jugendgruppen und/oder speziell auf Jugendliche zugeschnittenen Gottesdienste besteht die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erfahren und theologische Themen zu besprechen.

Zusätzlich zu den Bildungsangeboten in den Gemeinden gibt es in Süddeutschland das Jugendwerk süddeutscher Mennoniten e.V., juwe, das Freizeiten, Schulungen, Glaubenskurse und Weiterbildungsangebote speziell für Kinder und Jugendliche organisiert und durchführt.

 

Für Erwachsene

Seminarangebote für alle Altersstufen (z.B. Seniorenfreizeiten, Familienfreizeiten, Glaubens-grundkurse und Fortsetzungskurse für alle) erweitern und bereichern das Bildungsangebot in mennonitischen Gemeinden im Süden Deutschlands. Diese werden entweder in den einzelnen Gemeinden oder überregional in verschiedenen Tagungshäusern durchgeführt. Eine gute und weithin bekannte Möglichkeit ist das Theologische Seminar Bienenberg in der Schweiz, an dem man auch studieren kann.

Auf Spendenbasis

Autorin: Beate Zipperer

Mennonitische Gemeinden finanzieren sich durch Spendengelder der Mitglieder. In unserer Gemeinde zahlen Glieder einen monatlichen Betrag, dessen Höhe sie nach einer Selbsteinschätzung ihrer finanziellen Situation festlegen. Die biblisch begründete Zahlung des Zehnten ist für die Meisten ein Orientierungspunkt, dem man nach Möglichkeit nach-kommt.

Als weitere kleine Einnahmequelle dient in unserer Gemeinde die Vermietung der Räume. Gegen einen Mietbeitrag können die Räume von Privat-Personen oder Institutionen für Feiern oder Seminare angemietet werden.

Die Unterhaltskosten für unser Gemeindezentrum, alle anfallenden Reparaturen, Heizkosten, Gehaltskosten, aber auch sämtliche Ausgaben für Veranstaltungen wie besondere Gottesdienste, Konzerte oder die jährlich stattfindende Kinderbibelwoche usw. werden über die regelmäßig eingehenden Mitgliedsbeiträge abgedeckt.

 

Sammlungen

Auch in den wöchentlichen Opfersammlungen während des Sonntagsgottesdienstes sammeln wir Gelder für die zu bewältigenden Ausgaben der Gemeinde. Zweckgebunden gesammelt und weitergeleitet werden hier auch Gelder für mennonitische Werke und Zusammenschlüsse: z.B. im Süden Deutschlands, das juwe (Jugendwerk süddeutscher Mennonitengemeinden e.V.);der VdM (Verband deutscher Mennonitengemeinden), aber auch deutschlandweit zusammengeschlossen: AMG (Arbeitsgemeinschaft deutscher Mennonitengemeinden); DMFK (Deutsches mennonitisches Friedenskomitee); DMMK (Deutsches mennonitisches Missionskomitee); CD (Christliche Dienste) usw.

Ebenso weltweit zusammengeschlossen: MWC (Mennonite World Conference).

 

Durch den verantwortungsvollen Umgang mit den gespendeten Geldern und des jährlich offengelegten Rechenschaftsberichtes darüber, ist es auch für unsere Gemeinde möglich, unabhängig von staatlicher Kontrolle, autark und autonom zu sein und sich vor Ort und in der Welt an Gottes Reichbau zu beteiligen.

 

Das soziale Anliegen der Mennoniten

Autor: Martin Podobri

Warum gibt es so viele verschiedene Kirchen, wenn sie doch alle an den selben Gott glauben? Einer der Gründe dafür ist, dass die Ausübung der Religion unterschiedliche Schwerpunkte hat.

 

Soziales Engagement nach dem zweiten Weltkrieg

Der Grund, warum es heute Mennonitische Freikirchen in Österreich gibt ist der, dass die Mennoniten ein soziales Anliegen haben. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Österreich eine große Hungersnot. Jeder Österreicher erhielt täglich Lebensmittel mit einem Energiewert von 600 – 800 Kalorien (der Richtwert heute beträgt 2000 Kalorien), wobei davon 1946 nur 40% in Österreich hergestellt wurden. Viele soziale Organisationen brachten Lebensmittel nach Österreich. Eine dieser Organisationen war das Mennonitische Zentralkommitee (kurz MCC). So kamen die Mennoniten nach Österreich. In den folgenden Jahren gründeten die Mennoniten auch Freikirchen. Dies war der Beginn der Mennonitischen Freikirche in Österreich.

 

Soziales Engagement heute

Die allierten Soldaten verteilten nach Kriegsende u.a. Geschenkboxen an Kinder. Unter ihnen war Gerda Gewessler. Heute ist die Koordinatorin von ‘Weihnachten im Schuhkarton’ in der Mennonitischen Freikirche Linz. Sie ist dankbar, dass sie heute in der Position ist, armen Kindern dadurch ein Weihnachtsgeschenk zu machen.

Die Mennonitische Freikirche Linz ist eine der größten Sammelstellen für ‘Weihnachten im Schuhkarton’, der Aktion von ‘Geschenke der Hoffnung’. In 2012 etwa kontrollierten sie beinahe 4000 Schuhschachteln.

 

Mitglieder der Mennonitischen Freikirche Wels erkannten die Not in sozial armen Schichten in Wels und gründeten daraufhin den Verein ‘Essen und Leben’. Binnen kurzer Zeit wuchs die Arbeit sehr, sodass sie heute wöchentlich hunderte Arme und Obdachlose versorgen. Darüber hinaus ist die Gemeinde sehr in der ‘Christlichen Familienarbeit’ engagiert. Diese Arbeit wird von einem Ehepaar der Gemeinde geleitet und hilft Familien in Krisensituationen. Im Gebäude selbst finden Frauen, die sehr rasch ‘ein Dach über dem Kopf’ brauchen, Unterschlupf.

 

Zur Mennonitischen Freikirche Wien gehören viele Lehrer. So entstand die Idee, in der Gemeinde Nachhilfeunterricht zu geben. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund profitieren von der Nachhilfe sehr. Darüber hinaus sind zahlreiche persönliche Kontakte entstanden.  

 

Obwohl nur fünf Freikirchen mit insgesamt rund 400 Mitgliedern zum Bund der Mennonitischen Freikirche in Österreich gehören, sind dies nur einige wenige Beispiele, wo sich die Mennoniten sozial engagieren. Zahlreiche mehr könnte man noch aufführen. Und deshalb ist es gut, dass es die Mennoniten in Österreich gibt!

Wenn der Tod zu neuem Leben führt!

Autor: Martin Podobri

Es war Sonntag, der 10.10.2010. Ein letztes Mal trafen sich die Mitglieder der Mennonitischen Freikirche Salzburg, um gemeinsam die Auflösung der Freikirche zu beschließen. Dieser Moment war gleichzeitig der Tiefpunkt in der Geschichte der Mennonitischen Freikirche Österreich (kurz MFÖ).

Die große Frage, vor der der Vorstand der MFÖ stand war: Macht es Sinn, den Bund für die verbleibenden fünf Gemeinden aufrechtzuerhalten?

 

Im Jänner 2011 trafen sich daraufhin alle Ältesten der fünf Mennonitischen Freikirchen zur gemeinsamen Klausur. Dabei entdeckten sie, dass alle Gemeinden mit den selben Problemen kämpften: es gab Konflikte in den Gemeinden, es war schwierig, Mitarbeiter zu finden und neue Älteste zu berufen.

Folglich kam die Frage auf: Wie könnte ein Bund helfen, diese Probleme zu lösen? Es war die Geburtsstunde von ‘MFÖ neu‘, dem neuen Verständnis des Bundes!

 

Der Vorstand der MFÖ befasste sich mit den Ergebnissen der Klausur und entdeckte dabei 5 Punkte, wo der Bund den Gemeinden helfen sollte. 

 

Identität stiften

‘Wer sind die Mennoniten, was glauben sie und woher kommt der Name?‘

Der Bund sollte den Gemeinden helfen, ihre eigene Identität wie auch die des Bundes zu entdecken. 

 

Leiternachwuchs fördern

Die Ältesten einer Gemeinde sind meist zu beschäftigt, um neben ihren Aufgaben in der Gemeinde den Leiternachwuchs zu fördern. Der Bund könnte hierbei helfen, die nächste Generation im Fokus zu haben.

 

Biblische Leiterschaft verwirklichen

Wenn es Probleme in der Leitung gibt, oder sich eine Gemeinde mit den “falschen” Themen beschäftigt, wer kann da helfen?

Im Neuen Testament halfen die Apostel den Gemeinden, biblische Leiterschaft zu verwirklichen. Heute sollte der Bund diese Funktion übernehmen. 

 

Gemeindewachstum fördern

Der Bund hat viele Kontakte zu diversen Missionsgesellschaften, wie auch zur Weltkonferenz der Mennoniten. Von daher hat er die Möglichkeit, Impulse für den Gemeindewachstum in die Gemeinden zu bringen.

 

Neue Gemeinden gründen

Eine Tochtergemeinde zu gründen, würde eine einzelne Gemeinde überfordern. Aber wenn alle fünf Mennonitischen Freikirchen zusammenhelfen, dann sollte es möglich sein, dies zu realisieren.

 

Es ist traurig, dass wir die Gemeinde in Salzburg verloren haben. Dieser traurige Moment hat aber dazu beigetragen, dass neues Leben in den Bund eingekehrt ist. Und so hat der Tod zu neuem Leben geführt.

Historische Anfänge in Bayeren

Autorin: Beate Zipperer

Bereits in der Reformationszeit gibt es in Bayern vielerorts Täufergemeinden. Diese waren von der herrschenden Obrigkeit nicht gern gesehen und es kam durch Beschluss der bayerischen Herzöge zu vielen Hinrichtungen im 16. und 17. Jahrhundert. Das harte Durchsetzen des geforderten Todesurteils für sogenannte ‘Wiedertäufer‘ zwang viele zur Auswanderung. Erste Wanderungen führten unter anderem nach Mähren, wo die Täufer ihre missionarisches Denken weiterführten. Dieses konsequente Handeln nach Gottes Wort führte allerdings auch dort zu einer weiteren verstärkten Verfolgung der Täufer.

Das Wirken und Handeln täuferischer Gemeinden in Bayern kommt im späten 16. Jahrhundert fast zum Erliegen, nur vereinzelt lassen sich Täufer nieder.

 

Der König und die mennonitische Landwirte

Als Kurfürst Maximilian IV. Joseph im Jahre 1800 per Gesetz verfügt, dass sich Menschen evangelischer Konfession in Bayern niederlassen dürfen, kommt es im Zuge der toleranteren Umgangsweise mit dem Glauben wieder zu einer Ansiedlung von Mennoniten. Nicht zuletzt durch die Säkularisation und die gezielte Unterstützung des Kurfürsten selbst, lassen sich  in dieser Zeit erneut Mennoniten in Bayern nieder.

Die frei gewordenen landwirtschaftlich gut nutzbaren Flächen mussten bewirtschaftet werden und so setzt der Kurfürst, ab 1806 König von Bayern alles daran, Mennoniten gezielt in Bayern anzusiedeln, weil bekannt war, dass sie fleißige und gute Landwirte mit  rationellen Arbeitsmethoden waren.

 

Die Mennoniten können die Flächen der ehemaligen Klöster zu günstigen Bedingungen pachten. Einigen Familien schenkt der König sogar Grundbesitz. Amische Mennoniten, aber auch Mennoniten aus der Pfalz lassen sich daher gern auf diesen Höfen in Bayern nieder. Einzelne Dörfer und Gemeinden entstehen und damit ebenso Bet‑ und Schulhäuser. Die Zuwanderung von mennonitischen Familien nach Bayern und den südlichen Raum zu dieser Zeit ist hoch. Es entstehen einige Ortschaften mit rein mennonitischer Bevölkerung, in Bayern z. B Wagenried, Stachusried, Maxweiler, Rottmannshart usw.

Der König von Bayern hatte also im 19. Jhdt. entscheidenden Einfluss auf die Ansiedlung von Mennoniten in Bayern.

Die Anerkennung der Mennonitischen Freikirche als Kirche im August 2013

Autor: Martin Podobri

 Die Reformation schlug in Österreich ein wie eine Bombe. In manchen Bundesländern waren bis zu 90% der Bevölkerung Evangelisch und viele Tausende schlossen sich den Täufern an. Im Gegensatz zu den Evangelischen wurden die Täufer jedoch von Beginn an brutal verfolgt und viele bezahlten ihren neuen Glauben mit dem Leben. Viele flüchteten oder starben als Märtyrer. Dies hatte zur Folge, dass es über 300 Jahre lang keine Täufer in Österreich gab.

1869 wurde in Wien eine Baptistengemeinde gegründet. Dies war der Neubeginn der freikirchlichen Täuferbewegung in Österreich.

 

Die Mennonitische Freikirche Österreich

Unter den Flüchtlingen des 2. Weltkrieges, die nach Österreich kamen, waren auch Mennoniten. Um ihnen und den anderen Flüchtlingen zu helfen, starteten die Mennoniten 1947 eine Hilfsaktion für Österreich. Die soziale, aber auch die geistliche Not war sehr groß. Die Missionare verteilten Decken, Kohle und Lebensmittel und predigten das Evangelium. Viele Menschen kamen dabei zum Glauben. Als Folge daraus entstand 1953 die erste Mennonitische Freikirche in Linz. In den folgenden Jahren wurden weitere Mennonitische Freikirchen in Wien, Wels, Salzburg und Steyr gegründet. Dies war der Beginn des Bundes der Mennonitischen Freikirche Österreichs.

 

Religiöser Status

Da aber Österreich bis in die 1990er-Jahre ein beinahe rein katholisches Land war, wurden die Freikirchen zwar geduldet, mussten sich aber als religiöser Verein konstituierten. Die rechtliche Gleichstellung zu den Kirchen war nicht erwünscht und auch nicht möglich.

 

Fünf Denominationen, eine Kirche der Freikirchen

Anfang 2011 trafen sich die Vorstände von vier verschiedenen Bünden (Mennoniten, Baptisten. Freie Christengemeinde und Evangelikale), um über die rechtliche Gleichstellung zu den Kirchen zu sprechen. Eines der Probleme dabei war, dass das Gesetz eine Mitgliederzahl von 2 ‰ der Gesamtbevölkerung (rund 16.500 Personen) forderte, aber kein Bund so viele Mitglieder hatte.

Dabei kam die Idee auf, dass die vier Bünde zusammen die geforderte Mitgliederzahl aufwiesen. In weiterer Folge arbeitete man intensiv an einer Verfassung für die ‘Freikirchen in Österreich‘. In diesem Prozess stieg auch die Elaia Christengemeinschaft als fünfter Bund mit ein (2012). Im Jänuar 2013 wurde der Antrag zur Anerkennung der Freikirchen in Österreich eingebracht und im August erhielt der Zusammenschluss offiziell die Anerkennung als Kirche, sodass die Baptisten, die Elaia Christengemeinde, die in 2012 beitrat, die Freie Christengemeinde/ Pfingstgemeinde, der Bund Evangelikaler Gemeinden und die Mennoniten nun eine anerkannte Kirche sind.   

 

Da die verschiedenen Freikirchen damit zur selben Kirche gehören, ist der Zusammenschluss in dieser Art einzigartig.