Geschichte

Historische Anfänge in Bayeren

Autorin: Beate Zipperer

Bereits in der Reformationszeit gibt es in Bayern vielerorts Täufergemeinden. Diese waren von der herrschenden Obrigkeit nicht gern gesehen und es kam durch Beschluss der bayerischen Herzöge zu vielen Hinrichtungen im 16. und 17. Jahrhundert. Das harte Durchsetzen des geforderten Todesurteils für sogenannte ‘Wiedertäufer‘ zwang viele zur Auswanderung. Erste Wanderungen führten unter anderem nach Mähren, wo die Täufer ihre missionarisches Denken weiterführten. Dieses konsequente Handeln nach Gottes Wort führte allerdings auch dort zu einer weiteren verstärkten Verfolgung der Täufer.

Das Wirken und Handeln täuferischer Gemeinden in Bayern kommt im späten 16. Jahrhundert fast zum Erliegen, nur vereinzelt lassen sich Täufer nieder.

 

Der König und die mennonitische Landwirte

Als Kurfürst Maximilian IV. Joseph im Jahre 1800 per Gesetz verfügt, dass sich Menschen evangelischer Konfession in Bayern niederlassen dürfen, kommt es im Zuge der toleranteren Umgangsweise mit dem Glauben wieder zu einer Ansiedlung von Mennoniten. Nicht zuletzt durch die Säkularisation und die gezielte Unterstützung des Kurfürsten selbst, lassen sich  in dieser Zeit erneut Mennoniten in Bayern nieder.

Die frei gewordenen landwirtschaftlich gut nutzbaren Flächen mussten bewirtschaftet werden und so setzt der Kurfürst, ab 1806 König von Bayern alles daran, Mennoniten gezielt in Bayern anzusiedeln, weil bekannt war, dass sie fleißige und gute Landwirte mit  rationellen Arbeitsmethoden waren.

 

Die Mennoniten können die Flächen der ehemaligen Klöster zu günstigen Bedingungen pachten. Einigen Familien schenkt der König sogar Grundbesitz. Amische Mennoniten, aber auch Mennoniten aus der Pfalz lassen sich daher gern auf diesen Höfen in Bayern nieder. Einzelne Dörfer und Gemeinden entstehen und damit ebenso Bet‑ und Schulhäuser. Die Zuwanderung von mennonitischen Familien nach Bayern und den südlichen Raum zu dieser Zeit ist hoch. Es entstehen einige Ortschaften mit rein mennonitischer Bevölkerung, in Bayern z. B Wagenried, Stachusried, Maxweiler, Rottmannshart usw.

Der König von Bayern hatte also im 19. Jhdt. entscheidenden Einfluss auf die Ansiedlung von Mennoniten in Bayern.

Wehrlosigkeit oder Verteidigung

Autoren: Marius Romijn, Pieter Post
Übersetzung: Martje Postma 

Taufgesinnte in den Niederlanden entscheiden sich selber, ob sie an der Staatsmacht mitwirken können. Zur Zeit des Menno Simons war das anders: die mennonitische Einstellung zu Gewalt hat sich seither stark weiter entwickelt.

 

Münster oder Menno?

Menno stand im Widerspruch zu den Münsteraner Täufern, die im Jahre 1534 die Herrschaft über die Stadt Münster ergriffen hatten. Als eine Wiedereroberung durch den Bischof drohte, machten sich einige tausend Taufgesinnte aus den Niederlanden bewaffnet auf den Weg, zur Verteidigung des 'Neuen Jerusalem'.  Die Münsteraner sahen sich in einer Zeit der Rache, in der die Gläubigen zu den Waffen greifen mussten, unter dem 'neuen David' (Jan van Leyden). Erst danach sollte das Friedensreich Christi gefestigt werden.

 

Wehrlose Mennoniten unterstützen manchmal ihre Obrigkeiten

Für Menno und seine Anhänger erfüllte die Obrigkeit eine gottgegebene Aufgabe: 'Schutz für die Schwachen und Verteidigung des Glaubens'. Selber waren sie wehrlos, doch Regierungen konnten innerhalb ihres Aufgabenbereichs Gewalt anwenden. Menno befürwortete die Bekleidung eines öffentlichen Amtes, solange es die Freiheit vom Blutvergießen zuließ.

In einer belagerten Stadt griffen Mennoniten nicht zu den Waffen, doch sie konnten Brände löschen und Schaden wieder herstellen. Im Jahre 1572 brachten Waterländer Taufgesinnte dem Fürsten Willem von Oranien Geld, zur Verteidigung gegen die Spanier. 1672 lieferten verschiedene mennonitische Gruppen einen Beitrag zur Verstärkung der Armee.

 

Trennung von Kirche und Staat

Ende des achtzehnten Jahrhunderts gerieten patriottische Taufgesinnte unter dem Einfluss der Französischen Revolution in aktive Teilnahme in den Kampf um gleiche Rechte. Zusammen mit Remonstranten und anderen aufgeklärten Theologen waren sie vertreten in dem ersten Nationalen Parlament, das die Trennung von Kirche und Staat vorbereitete. Der taufgesinnte Prediger Jacob Henrik Floh (1758-1830) war Sekretär der Ersten Kammer und sprach sich aus für gleiche Rechte für Juden, die zur niedrigsten sozialen Schicht gehörten. In der Praxis bedeutete die Trennung von Kirche und Staat (1848) allerdings unter Taufgesinnten keine Selbstverständlichkeit. Einige Theologiestudenten beteiligten sich an dem gewaltsamen Aufstand, der zu der Trennung zwischen Belgien und den Niederlanden führte (1830), während ein Teil der Gemeinde aus Balk in die Vereinigten Staaten auswanderte, aufgrund der gesetzlichen Wehrpflicht (1853).

 

Im zwanzigsten Jahrhundert wurde die Gewaltlosigkeit zu neuem Leben erweckt, durch die taufgesinnte 'Arbeitsgruppe gegen den Wehrdienst' (1925). Daraus entwickelte sich später die 'Taufgesinnte Friedensgruppe' (Doopsgezinde Vredesgroep), die Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen begleitete, mit einem eigenen Friedensbüro(1946). Das Gesetz zur Wehrdienstverweigerung (1923)  bot schon Freiraum für Gewissensbeschwerte, und zum heutigen Zeitpunkt ist die Wehrpflicht ausgesetzt (1997).

 

Referenzen: Alle G. Hoekema u.a., Dagboek Cor Inja. Geen cel ketent deze dromen 'Keine Zelle kettet diese Träume fest‘ (Hilversum 2001). Bild: S. Groenveld e.a.,  Wederdopers, menisten, doopsgezinden in Nederland 1530 -1980, 'Wiedertäufer, Mennisten, Taufgesinnte in den Niederlanden' (Zutphen 1980), 174.

 

Die Anerkennung der Mennonitischen Freikirche als Kirche im August 2013

Autor: Martin Podobri

 Die Reformation schlug in Österreich ein wie eine Bombe. In manchen Bundesländern waren bis zu 90% der Bevölkerung Evangelisch und viele Tausende schlossen sich den Täufern an. Im Gegensatz zu den Evangelischen wurden die Täufer jedoch von Beginn an brutal verfolgt und viele bezahlten ihren neuen Glauben mit dem Leben. Viele flüchteten oder starben als Märtyrer. Dies hatte zur Folge, dass es über 300 Jahre lang keine Täufer in Österreich gab.

1869 wurde in Wien eine Baptistengemeinde gegründet. Dies war der Neubeginn der freikirchlichen Täuferbewegung in Österreich.

 

Die Mennonitische Freikirche Österreich

Unter den Flüchtlingen des 2. Weltkrieges, die nach Österreich kamen, waren auch Mennoniten. Um ihnen und den anderen Flüchtlingen zu helfen, starteten die Mennoniten 1947 eine Hilfsaktion für Österreich. Die soziale, aber auch die geistliche Not war sehr groß. Die Missionare verteilten Decken, Kohle und Lebensmittel und predigten das Evangelium. Viele Menschen kamen dabei zum Glauben. Als Folge daraus entstand 1953 die erste Mennonitische Freikirche in Linz. In den folgenden Jahren wurden weitere Mennonitische Freikirchen in Wien, Wels, Salzburg und Steyr gegründet. Dies war der Beginn des Bundes der Mennonitischen Freikirche Österreichs.

 

Religiöser Status

Da aber Österreich bis in die 1990er-Jahre ein beinahe rein katholisches Land war, wurden die Freikirchen zwar geduldet, mussten sich aber als religiöser Verein konstituierten. Die rechtliche Gleichstellung zu den Kirchen war nicht erwünscht und auch nicht möglich.

 

Fünf Denominationen, eine Kirche der Freikirchen

Anfang 2011 trafen sich die Vorstände von vier verschiedenen Bünden (Mennoniten, Baptisten. Freie Christengemeinde und Evangelikale), um über die rechtliche Gleichstellung zu den Kirchen zu sprechen. Eines der Probleme dabei war, dass das Gesetz eine Mitgliederzahl von 2 ‰ der Gesamtbevölkerung (rund 16.500 Personen) forderte, aber kein Bund so viele Mitglieder hatte.

Dabei kam die Idee auf, dass die vier Bünde zusammen die geforderte Mitgliederzahl aufwiesen. In weiterer Folge arbeitete man intensiv an einer Verfassung für die ‘Freikirchen in Österreich‘. In diesem Prozess stieg auch die Elaia Christengemeinschaft als fünfter Bund mit ein (2012). Im Jänuar 2013 wurde der Antrag zur Anerkennung der Freikirchen in Österreich eingebracht und im August erhielt der Zusammenschluss offiziell die Anerkennung als Kirche, sodass die Baptisten, die Elaia Christengemeinde, die in 2012 beitrat, die Freie Christengemeinde/ Pfingstgemeinde, der Bund Evangelikaler Gemeinden und die Mennoniten nun eine anerkannte Kirche sind.   

 

Da die verschiedenen Freikirchen damit zur selben Kirche gehören, ist der Zusammenschluss in dieser Art einzigartig.

Von Monarchisten zu Demokraten

Autorin: Nataly Venger
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten wurden von Katharina der Großen in das russische Reich eingeladen. Wie kam es, dass die Monarchie ihre Haltung den Mennoniten gegenüber änderte, und warum geschah das?

Privilegien

Die Ansiedlung der Mennoniten begann unter Katharina II. Es war eine der Methoden, neue Gebiete zu kolonisieren – die Bevölkerungszahlen zu erhöhen, um die Wirtschaftskraft des russischen Reiches zu vergrößern. Im den von der Kaiserin geschriebenen Manifesten wurden den neuen Siedlern zusätzliche Anreize versprochen. Die aktive Emigrationspolitik für die Mennoniten eröffnete ihnen großartige wirtschaftliche Perspektiven. 'Die Mennonitischen Privilegien' wurden von der Zarin im Jahre 1788 ausgefertigt. Interessanterweise wurden anderen ethnischen Gruppen und der russischen Bevölkerung diese Privilegien nicht zuteil.

 

Moral

Paul I (1796 – 1801), Alexander I (1801 – 1825) und Nikolaus I (1825 – 1855) unterstützten die Mennoniten ebenfalls. Paul I übergab den Mennoniten eine 'Charta der Privilegien', in Anbetracht ihrer moralischen Gesinnung als Beispiel für andere Gesellschaftsgruppen. Alexander I legte neue Kolonisierungsregeln fest, in der Erwartung wohlhabender Einwanderer. Er befahl, all die früher erlassenen Gesetze in  'Statuten für die Kolonien' festzulegen. Der Monarch finanzierte den Bau von Kirchen in den Dörfern Orloff und Rudnerweide. Die Siedlung Alexanderwohl wurde benannt zu Ehren von Alexander, der Steinbach und Tiege besuchte. Die Prinzipien von Nikolaus II waren in seinem Wahlspruch 'Orthodoxie, Autokratie und Nationalität' enthalten. Auch wenn die Mennoniten Protestanten waren, unterschrieben sie den Gedanken eines 'Monarchen als Vater'. Sie bezeugten ihre Treue an die Monarchie. Noch in 1917 sprach sich Nikolaus II ebenfalls für die 'Privilegien' aus.

 

Änderung des Status

Die Modernisierung und der Prozess der Einigung, die Alexander II in die Wege leitete, war der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Kolonien. In der Zeit von 1871 – 1847 verloren die Mennoniten ihren Status als 'Kolonisten', und wurden zum alternativen Wehrdienst herangezogen. Dennoch brachten die Reformen die Entwicklung in den Kolonien nicht zum Erliegen, vor allem, weil Alexander II die Nationalisten nicht unterstützte. Die Mennoniten behielten ihre Vorstellung von einem 'ökonomischen Messianismus' bei, die ihre Beziehung zur Monarchie bestimmte. Eine neue Siedlung wurde Alexander zu Ehren nach ihm benannt.

 

Von Monarchisten zu Demokraten

Alexander III (1881 – 1894) und Nikolaus I (1894 – 1917) wurden von nationalistischen Gefühlen beeinflusst. Unter dem Einfluß der Ideologie des Nationalismus, stellten sie die russische Nation mit der Orthodoxie gleich, und waren gegen die Protestanten. Nikolaus II unterstützte die anti-deutsche Gesetzgebung der Jahre 1914 – 1918. Lange Zeit unterstützten die Mennoniten die Monarchie. Doch brachten demokratische Prozesse in den Siedlungen die Mennoniten in einen Dialog mit der Regierung. Diese Prozesses waren in der Revolution von 1905 – 1907 begründet, und im russischen Nationalismus. Der Wandel der Haltung der Mennoniten von Unterstützern der Monarchie zu Anhängern der Demokratie und des parlamentarischen Systems nahm von dort seinen Anfang.

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Autor: Johannes Dyck

In der Zeit der schweren Verfolgungen zu Stalins Zeiten haben die Mennoniten fast alle Kirchenältesten, Prediger und Versammlungshäuser verloren. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurden alle Deutschen aus dem europäischen Teil gewaltsam nach Sibirien und Zentralasien deportiert und durften ihre Wohnorte nicht verlassen. Mennoniten waren Teil dieser Katastrophe. Dazu kam, dass zu Beginn des Jahres 1942 die deutschen Männer in die Arbeiterarmee mobilisiert wurden.

 

Gebetskreise unter Deportierten

Unter unerträglichen Bedingungen in der Arbeiterarmee, oft im Angesicht des Todes, haben die Männer begonnen, zu Gott zu schreien. Sie versammelten sich zu geheimen Gebetskreisen, oft ohne Rücksicht auf Konfessionszugehörigkeit. Einen dieser Gebetskreise rief Heinrich Voth, ehemaliger Kirchenältester in Nikolaifeld 1942 ins Leben. Gott erhörte sie. Eine Wiederbelebung des Glaubens setzte ein. In vielen Orten kamen geheime Gebetskreise zustande. Im Jahr 1945 wurden viele Mennoniten, die im Krieg nach Deutschland gelangten, zurück in die Sowjetunion repatriiert. Auch sie versammelten sich zum Gebet in ihren neuen Deportationsgebieten. Wo es möglich war, schlossen sich Mennoniten russischen Baptistengemeinden an, die während des Krieges wieder erlaubt wurden.

 

Nach Stalin

Nach dem Tod des Diktators Stalin im Jahr 1953 setzte politisches Tauwetter ein. Im Jahr 1956 kamen alle Deutschen aus der Verbannung frei. Die Unterdrückung des Glaubens gab etwas nach und in vielen Dörfern haben mutige Männer die in den früheren Jahren Bekehrten getauft. So entstanden in den ehemaligen Verbannungsorten kleine Dorfgemeinden. Befreit von der Verbannung zogen die Deutschen, unter ihnen auch die Mennoniten, in den Süden des Landes, vornehmlich nach Kasachstan und Kirgisistan, wo sie neue Gemeinden gründeten oder sich den bestehenden russischen Baptistengemeinden anschlossen. Die Letzten waren den Mennoniten-Brüdergemeinden sehr ähnlich. So bildete sich eine neue Gemeindegeographie heraus.

 

Wehrlosigkeit als Grund für Ablehnung

Das Tauwetter, zumindest in Bezug auf Religion, endete im Jahr 1958, und es setzte eine neue Verfolgungswelle ein. Aufgrund ihrer traditionellen Wehrlosigkeit wurden die Mennoniten als reaktionäre staatsfeindliche Sektierer abgestempelt. Ihre Gemeinden wurden in die Liste der offiziell zugelassenen Glaubensrichtungen nicht aufgenommen; sie hatten keine Chance, offizielle Anerkennung zu erlangen. Dieses änderte sich erst im Jahr 1966, was zur Legalisierung der ersten Mennoniten- und Mennoniten-Brüdergemeinden führte. Viele Menschen mit mennonitischen Hintergrund schlossen sich aber auch Baptistengemeinden an.

 

Quelle: And When They Shall Ask. A Docu-Drama of the Russian Mennonite Experience (1984/2010) dvd. www.mennonitemediasociety.com

 

 

 

Auf Spendenbasis

Autorin: Beate Zipperer

Mennonitische Gemeinden finanzieren sich durch Spendengelder der Mitglieder. In unserer Gemeinde zahlen Glieder einen monatlichen Betrag, dessen Höhe sie nach einer Selbsteinschätzung ihrer finanziellen Situation festlegen. Die biblisch begründete Zahlung des Zehnten ist für die Meisten ein Orientierungspunkt, dem man nach Möglichkeit nach-kommt.

Als weitere kleine Einnahmequelle dient in unserer Gemeinde die Vermietung der Räume. Gegen einen Mietbeitrag können die Räume von Privat-Personen oder Institutionen für Feiern oder Seminare angemietet werden.

Die Unterhaltskosten für unser Gemeindezentrum, alle anfallenden Reparaturen, Heizkosten, Gehaltskosten, aber auch sämtliche Ausgaben für Veranstaltungen wie besondere Gottesdienste, Konzerte oder die jährlich stattfindende Kinderbibelwoche usw. werden über die regelmäßig eingehenden Mitgliedsbeiträge abgedeckt.

 

Sammlungen

Auch in den wöchentlichen Opfersammlungen während des Sonntagsgottesdienstes sammeln wir Gelder für die zu bewältigenden Ausgaben der Gemeinde. Zweckgebunden gesammelt und weitergeleitet werden hier auch Gelder für mennonitische Werke und Zusammenschlüsse: z.B. im Süden Deutschlands, das juwe (Jugendwerk süddeutscher Mennonitengemeinden e.V.);der VdM (Verband deutscher Mennonitengemeinden), aber auch deutschlandweit zusammengeschlossen: AMG (Arbeitsgemeinschaft deutscher Mennonitengemeinden); DMFK (Deutsches mennonitisches Friedenskomitee); DMMK (Deutsches mennonitisches Missionskomitee); CD (Christliche Dienste) usw.

Ebenso weltweit zusammengeschlossen: MWC (Mennonite World Conference).

 

Durch den verantwortungsvollen Umgang mit den gespendeten Geldern und des jährlich offengelegten Rechenschaftsberichtes darüber, ist es auch für unsere Gemeinde möglich, unabhängig von staatlicher Kontrolle, autark und autonom zu sein und sich vor Ort und in der Welt an Gottes Reichbau zu beteiligen.

 

Unternehmer mit Begeisterung

Autorin: Nataly Venger
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten in Russland waren nicht nur begeisterte Bauern, sie waren auch begabte Unternehmer. Die Mennonitenkolonien in der Provinz Jekaterinoslaw entwickelten sich zu den Hauptproduktionszentren für die Maschinenproduktion im russischen Reich. 'Lepp und Wallmann' war die bekannteste mennonitische Produktionsfirma für Maschinenbau. Die Fabrik wurde in 1850 von Peter Lepp gegründet – er begründete damit auch eine Unternehmerdynastie – und sie erlebte  die Höhe ihres Erfolges unter der Leitung seines Enkels, Johann Lepp, der das Unternehmen im Jahre 1879 erbte und es bis 1919 betrieb.

 

Die Dynastie Lepp-Wallmann

Im Jahre 1880 wurde Andreas Wallmann, ein reicher Bauer, Partner in der Fabrik Lepps, danach war der Name der Firma bekannt als 'Lepp und Wallmann'. 1903 ging das Unternehmen an die Börse. Die Anteilseigner waren die elf Vertreter der Dynastie Lepp-Wallmann. Sie betrieben 3 Maschinenbau-Firmen in der Provinz Jekaterinoslaw. In 1903 wurde der Wert der Firma mit ihren materiellen und immateriellen Werten auf 1,15 Mio Rubel geschätzt. Das Firmenkapital des Unternehmens wuchs auf eine Höhe von 1,2 Million Rubel (1903 – 1913), und 2,4 Million Rubel (1914 – 1918).

 

Unternehmerischer Erfolg und Auszeichnungen

In den Anfangsjahren produzierte der Betrieb die einfachsten Landwirtschaftsgeräte: Mähmaschinen, Rüttelsiebe und Erntemaschinen.  Im Jahre 1874 brachte er das erste Buchungsgerät  auf den Markt, „Lepps Buchhaltungsmaschine“. Nach 1880 begann die Fabrik die Produktion von Maschinen, die wichtig waren für die Industrialisierung: Dampfmaschinen, Dampfkessel, Ölpressen und Zubehör für Sägewerke. In den Jahren zwischen 1860 und 1912 nahm die Firma an Ausstellungen für Landwirtschaftsmaschinen teil und erhielt 33 Medaillen und Diplome.

 

Das Geschäftsleben und der Erste Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges wurde die Fabrik gezwungen, Waffen zu produzieren. Es war für die (pazifistischen) mennonitischen Unternehmer die einzige Möglichkeit ihren Besitz unter den Bedingungen des Krieges der 'Russischen Einheit'  gegen Deutschland zu schützen.

 

Die Bedeutung der Fabriken unter mennonitischer Leitung

Lepp–Wallmanns Betriebe trugen in hohem Maße zu der Entwicklung der Maschinenbau-Industrie in Russland bei. Berühmte Unternehmer wie A. Koop und C.Hildebrandt fingen als Lehrlinge in der Fabrik von P.Lepp an. Im Jahre 1900 produzierten die Mennoniten in der Provinz Jekaterinoslaw mehr als 58% der landwirtschaftlichen Geräte. In der Provinz Taurien war jede dritte Werkzeugfabrik in mennonitischen Händen. 1911 war jede fünfte Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen in Nowo-Russia Eigentum eines mennonitischen Unternehmers. Diese Zahlen können als ein Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges dieser ethnischen und religiösen Gruppe gedeutet werden. In den mennonitischen Fabriken wurden immer die neuesten Technologien angewendet, sie bestanden erfolgreich den Wettbewerb mit ausländischen Fabriken, und sie lieferten den Konsumenten Produkte, die preiswert waren und dennoch von hoher Qualität. So lieferten sie ihren Beitrag zum Fortschritt der Modernisierung.

 

Die niederländischen Mennoniten und die Politik

Autor: Gabe G. Hoekema
Übersetzung: Martje Postma 

Heutzutage fühlen viele Mennoniten sich angesprochen bei Fragen im Zusammenhang mit Gerechtigkeit, Entwicklungsarbeit und Armutsbekämpfung. Lange Zeit galt, dass sie Abstand hielten von der Gesellschaft und der Politik. Im allgemeinen galt als Leitsatz, dass die Gemeinde 'zwar in der Welt, aber nicht von der Welt ist'. An der Schwelle vom achtzehnten Jahrhundert zum neunzehnten nahmen dissidente und patriotische Mennoniten jedoch teil an militanten Freikorps, und waren sie Abgeordnete im ersten nationalen Parlament. Auch wenn sie sich gesellschaftlich im neunzehnten Jahrhundert assimilierten, blieb es bis ins zwanzigste Jahrhundert tabu, in der Gemeinde über Politik zu sprechen. Politik wurde als persönliche Angelegenheit betrachtet. In der Gemeinde sollte es um den Glauben gehen, und um Glaubensauffassungen in der Verbundenheit der Gemeindeglieder. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde dies am deutlichsten, als der zunehmende Nazismus in Deutschland auch in den Niederlanden seine Anhänger fand. Im landesweiten mennonitischen Wochenblatt, 'De Zondagsbode', war davon kaum die Rede. Auch dann nicht, als manche Gemeindeglieder und Prediger mit dem Nationalsozialismus sympathisierten, und Hitler aufgrund seiner sozialökonomischen Politik bewunderten.

 

Vietnam und die Kernwaffen

Seit den Jahren 1960 rückte die Politik mehr in den Vordergrund. Wie die Diskussion über und der Protest gegen den Krieg in Vietnam, und dann später gegen die Kernwaffen. Wichtig war die Frage, wie die Mennoniten eine Friedensgemeinde sein können.

 

Mennonitische Poldergespräche

Die Mennoniten leben in einem Lande, wo seit vielen Jahre Beratungsgespräche die Atmosphäre bestimmen. Keine einzelne politische oder kirchliche Strömung hat soviel Macht, dass sie ohne die anderen Strömungen regieren könnte. Da heißt es dann immer verhandeln und Kompromisse eingehen. In Gemeinden, wo die Politik thematisiert wird, wird gesucht nach dem, was verbindet. So gibt es bei manchen auch ein starkes Bewusstsein für die Ökumene.

 

Christliche Politik

Bis heute gibt es christliche politische Strömungen, doch die Mennoniten haben sich aufgrund ihres Glaubens nicht politisch organisiert. Sie identifizierten sich vielmehr mit dem liberalen oder dem sozialdemokratischen Gedankengut. Eine kleinere Gruppe befindet sich dazwischen oder ist etwas radikaler links. Umwelt und Nachhaltigkeit sind für viele Mennoniten wichtige Themenschwerpunkte. Wirklich politisch aktiv sind die Mennoniten also nicht, mit Ausnahme einiger Volksvertreter im Parlament. Einige wurden Minister, Staatssekretär oder Bürgermeister. Die bekanntesten Politiker auf der Schwelle zum zwanzigsten Jahrhundert sind: C. Lely (1854-1929), dessen Name mit dem Abschlussdeich verbunden ist, und S. van Houten (1857-1930), dieser verfasste das erste Gesetz zum Verbot von Kinderarbeit. In der jüngeren Geschichte sind das: D.K.J. Tommel (1942-) und Frau Jorritsma-Lebbink (1950-).

 

Referenzen: C. van Duin, ‘De doperse gemeente – een politiek relevante zaak’, in: Doopsgezinde Bijdragen 2 (Amsterdam 1976), 62-71; E.I.T. Brussee-van der Zee, ‘De Doopsgezinde Broederschap en het nationaalsocialisme, 1933-1940’, in: Doopsgezinde Bijdragen 11 (Amsterdam 1985), 118-130.

 

 

Christliche Friedensstifter Teams Europa (CPT)

Autor: Marius van Hoogstraten
Übersetzung: Joel Driedger 

Weltweit leben Millionen von Menschen an Orten, an denen bewaffnete Gruppen, Soldaten oder Militär den Alltag bestimmen. Millionen von Menschen sind außerdem auf der Flucht. Wenn diese Nachrichten bekannt werden, reagieren viele Leute mit Gleichgültigkeit. Sie meinen, diesen Menschen kann nur geholfen werden, wenn man selbst eine Armee aussendet. Aber durch militärische Gewalt werden bestehende Konflikte meistens nur schlimmer.

 

Alternative Politik

Die Christlichen Friedensstifter Teams (englisch: Christian Peacemaker Teams, CPT) suchen nach alternativen Wegen in Konflikten. Wir gehen dahin, wo Gewalt herrscht, und setzen uns mit den Einheimischen für Frieden ein. Anstatt Waffen zu benutzen, machen wir Fotos und berichten von Konflikten und Ungerechtigkeiten. Soldaten und andere bewaffnete Gruppen können uns an unseren roten Mützen erkennen. Durch unseren Einsatz verringert sich die Gewalt, weil die gewalttätigen Leute wissen, dass sie beobachtet werden.

Früher dachten wir, dass unser gewaltfreies Engagement einzigartig ist. Nun wissen wir aber, dass es fast überall Menschen vor Ort gibt, die sich für Frieden einsetzen. Sie suchen kreative, einzigartige Wege, um der Gewalt zu widerstehen und Wirtschaftsunternehmen davon abzuhalten, Land und Leute auszubeuten. Durch Videos und Artikel wollen wir Menschen auf der ganzen Welt auf diese lokalen Friedensbewegungen aufmerksam machen. Gewaltfreier Widerstand kann vieles sein: Zum Beispiel, dass man eine Menschenkette zwischen einer unbewaffneten  protestierenden Menschenmenge und Soldaten bildet. Oder dass man Kinder zur Schule bringt, die mit Steinen beschmissen werden, oder Schafe auf die Weide bringt, wo es die Armee nicht zulassen will.

 

Gewaltfreier Widerstand

In Kanada wird das Land und Leben vieler Ureinwohner von großen Wirtschaftsunternehmen bedroht. Der gewaltfreie Protest der indigenen Einheimischen wird von CPT-Freiwilligen unterstützt. CPT ist beispielsweise dabei, wenn die Straße blockiert wird, so dass Abholzungsunternehmen ihre Transporter nicht mehr in den Wald schicken können. Die Leute von CPT informieren außerdem Kanadier ohne indigenen Hintergrund über die Situation der Ureinwohner.

In Europa ist CPT besorgt über die Flüchtlingssituation. Es gibt fast keinen sicheren Zugang nach Europa, weil alle Grenzen militärisch abgesichert sind. Viele Flüchtlinge müssen deshalb extrem gefährliche Wege nehmen. Dies führt dazu, dass in den letzten Jahren Tausende von Flüchtlingen umgekommen sind, vor allem im Mittelmeer an der Grenze von Griechenland und Türkei.

 

Die Geschichte der Christlichen Friedensstifter Teams begann 1984 auf der Mennonitischen Weltkonferenz. Ursprünglich bestand die Vision darin, Tausende von gewaltfreien Christinnen und Christen in Konfliktgebiete einzufliegen, um Frieden zu stiften. Diese Vorstellung ist aus heutiger Sicht ziemlich selbstbezogen – zum Glück können wir in einigen Fällen wenigstens ein bisschen helfen. Heute arbeiten nicht nur Christen für CPT. Die Kooperation mit lokalen Friedensgruppen bildet den Kern unserer Arbeit. Wir begleiten Graswurzelbewegungen in Kolumbien, Palästina, Irakisch-Kurdistan und Kanada.

 

Mennoniten verlassen die UdSSR in Richtung Deutschland

Autor: Hermann Heidebrecht 

Vor 1987 konnten nur einige Tausend Russlandmennoniten in die Bunderepublik Deutschland ausreisen. Ab diesem Jahr wurden die meisten Ausreiseanträge von Deutschen durch die sowjetischen Behörden genehmigt. Es kam dann zu einer Massenauswanderung, wie sie wohl in der Mennonitengeschichte noch nie stattgefunden hat. Es gab einige Gründe für die Ausreise fast aller Mennoniten aus der ehemaligen Sowjetunion.

 

Religiöse Unterdrückung in der Sowjetunion

Fast 70 Jahre dauerte nun schon die religiöse Unterdrückung. Die Christen wurden nicht nur bedrängt, sondern auch als rückständig und zurückgeblieben angesehen.

 

Nationale Unterdrückung in der Sowjetunion

Auch die nationale Unterdrückung der Russlanddeutschen, die von Hitlers Nationalsozialisten (in Russland nur Faschisten genannt) des II. Weltkriegs nicht unterschieden wurden, war auch für viele Mennoniten ein schwerwiegender Grund das Land zu verlassen. Zwar gab es in einigen Gebieten der Sowjetunion deutsche Schulen, deutsche Radiosendungen, deutsche Zeitschriften, aber dieses konnte den Zerfall der deutschen Identität nicht mehr aufhalten.

 

Politische und wirtschaftliche Gründe

Die meisten Mennoniten waren wohl nie mit der sowjetischen Politik einverstanden gewesen. Zu tief saß der Schmerz der Enteignungen, Verbannungen, Verhaftungen, Erschießungen und anderer Leiden der letzten Jahrzehnte. Es gab kaum eine mennonitische Familie, die keine Opfer zu beklagen hatte. Sie hatten kein Vertrauen in die sowjetische Regierungen und ihre Führer. Auch die wirtschaftlichen Gründe sprachen für die Auswanderung. Immer noch mangelte es den Menschen in den Städten und Dörfern der UdSSR an fast allem. Zwar hungerte keiner mehr, doch Brot, Butter, Milch, Zucker und andere Nahrungsmittel konnten in vielen Fällen, wenn sie nicht selbst hergestellt werden konnten, nur mit Mühe beschafft werden. Dasselbe galt für Kleidung, Möbel, Haushaltsgeräte und andere Waren.

 

Organisierte Betreuung von Umsiedlern

Die Mennonitische Umsiedlerbetreuung, die schon 1972 von den altansässigen Mennonitengemeinden gegründet wurde, hatte viele Jahre die Aufgabe den Neuankömmlingen bei ihrem Neuanfang zu helfen. Durch die Hilfe dieser Organisation konnten viele Ansiedlungsmöglichkeiten in Deutschland gefunden werden, an vielen Orten konnte mit den regelmäßigen kirchlichen Versammlungen begonnen werden und viele neue Kirchengemeinden konnten gegründet werden. Nachdem die Mennonitische Umsiedlerbetreuung 1994 ihre Arbeit eingestellt hatte, übernahm der von Aussiedlergemeinden gegründete Aussiedler-Betreuungsdienst diese Aufgaben. Beide Betreuungsdienste haben in diesen Jahren mehr als 100 000 Mennoniten oder Personen mennonitischer Herkunft schon in den Grenzdurchgangslagern und Landesaufnahmestellen begrüßt und beraten.