Die Gesellschaft

Die Gemeinschaft und das Allgemeinwohl

Autor: Alle G. Hoekema
Übersetzung: Martje Postma 

In den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden von der Gruppierung der Gemeindetagsbewegung, 'Gemeentedagbeweging',  einer  Gruppierung die nach geistiger Erneuerung der Bruderschaft strebte, verschiedene 'Bruderschaftshäuser' erbaut. Diese spielen eine wichtige Rolle, auch im Hinblick auf die Gesellschaft als solche, und sie stellen einen wichtigen Teil der mennonitischen Identität dar. Vor kurzem wurde in Mennorode (Elspeet) eine neue, unter ökologischen Gesichtspunkten geplante Kapelle gebaut. Eine andere Form der Gemeinschaft bilden die sogenannten 'Freiraumhäuser', 'inloophuizen', wo Obdachlose und Flüchtlinge ohne Identitätspapiere hereingehen und aufatmen können.

 

Waisenhäuser, 'Höfchen' und Schulen

Im siebzehnten Jahrhundert stifteten die niederländischen Mennoniten Waisenhäuser, und bauten 'Höfchen', zuammenhängende Wohnanlagen mit kleinen Wohnungen. Auch fanden sie andere Formen, arme und marginalisierte Menschen zu unterstützen. Vor allem die großen Gemeinden wurden auf diesen Gebieten aktiv. Da die mennonitischen Waisenhäuser relativ klein waren, war eine individuelle  Betreuung der Waisen gut möglich. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Staat diese Einrichtungen. Mancherorts sind die Stiftungen erhalten geblieben, diese unterstützen notleidende Kinder und Jugendliche und fördern sie, auch ganz allgemein. Nur eine Gemeinde, die Gemeinde in Haarlem, hatte fast zwei Jahrhunderte lang zwei mennonitische Grundschulen – zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts waren diese bekannt aufgrund ihrer modernen Unterrichtsmethoden. Sie wurden1958 geschlossen.

 

Altersheime

Manche Gemeinden besitzen noch ein oder mehrere Höfchen. Außerdem wurden seit den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts moderne Altersheime errichtet. All diese Einrichtungen müssen sich heute nach staatlichen Regeln und Finanzmitteln richten – das bedeutet ebenfalls einen Verlust an mennonitischer Identität.

 

Die Gesellschaft für das Allgemeinwohl

Niederländische Mennoniten waren auch auf dem Gebiet der Volkserziehung tätig, und ebenso in den ärmeren Großstadtvierteln auf dem Gebiet der Volksgesundheit. Die 'Gesellschaft für das Allgemeinwohl', 'Maatschappij tot Nut van't Algemeen', wurde 1784 von einigen Mennoniten und anderen ins Leben gerufen. In Übereinstimmung mit den Idealen der Aufklärung setzten sich deren örtliche Abteilungen für Volkserziehung und Literaturverbreitung ein. Heutzutage ist der mennonitische Beitrag gering. Im neunzehnten Jahrhundert waren etliche wohlhabende Mennoniten in Amsterdam am Bau der öffentlichen Badeanstalten und den Wohnungsbauprojekten für Minderbemittelte beteiligt. Als die Niederlande nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Versorgungsstaat wurden, verringerte sich der Einfluss der Kirchen schnell. Es ist möglich, dass diese Rolle auf sozialem Gebiet in naher Zukunft wieder eine größere Bedeutung erhalten muß.  

 

Frieden in Berlin

Autoren: Martina Basso, Marius van Hoogstraten

Für Mennoniten gehört Frieden in den Mittelpunkt christlicher Theologie. Aber Frieden kann an verschiedenen Orten und Zeiten Unterschiedliches bedeuten. Deshalb überlegte die VDM, was Frieden heute heißt, und verabschiedete eine ‘Erklärung zum Gerechten Frieden‘. Dieses Dokument zeigt theologische Grundlagen für Frieden auf und beschreibt im zweiten Teil auch praktische Bewährungsfelder für Frieden und Gewaltfreiheit. Ein erster Schritt war die Gründung des Mennonitischen Friedenszentrums in Berlin.

 

Kultur des Friedens

Unsere Arbeit baut auf der Erklärung der VDM auf. Unsere Projekte und Arbeitsschwerpunkte sollen exemplarisch zeigen, wie eine ‘Kultur des Friedens‘ entstehen kann. Wie sieht eine Friedenskirche in einer multikulturellen Großstadt wie Berlin aus? In der Erklärung schrieb die VDM: ‘Der Friedensauftrag beschränkt sich nicht auf das Beenden von Gewalt, sondern will Strukturen schaffen, die zu einem gerechten und nachhaltigen Frieden beitragen‘.

 

Was bedeutet Frieden konkret?

Wir engagieren uns für Frieden in verschiedener Weise: Ein besonderer Schwerpunkt ist Gewaltprävention durch Netzwerkarbeit. Wir machen Stadtteilarbeit im sozialen Brennpunkt, unterstützen Gewaltprävention durch Sport (Karateunterricht für Mädchen), und schaffen Raum für interkulturelle und interreligiöse Begegnungen. Wir kooperieren mit Mennoniten in Simbabwe, um über die politische Lage in Simbabwe zu informieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Wir verleihen dem Friedenszeugnis Gehör auf gesellschaftlichen und politischen Ebenen. Unter anderem beteiligen wir uns an kommunalen Prozessen und begleiten die Arbeit des freikirchlichen Beauftragten am Sitz der Bundesregierung. Gleichzeitig bleiben wir der Spiritualität des gerechten Friedens auf der Spur. Wir stehen mennonitischen Gemeinden und Werken als Gesprächspartner zur Verfügung und suchen das ökumenische Gespräch.

 

Das soziale Anliegen der Mennoniten

Autor: Martin Podobri

Warum gibt es so viele verschiedene Kirchen, wenn sie doch alle an den selben Gott glauben? Einer der Gründe dafür ist, dass die Ausübung der Religion unterschiedliche Schwerpunkte hat.

 

Soziales Engagement nach dem zweiten Weltkrieg

Der Grund, warum es heute Mennonitische Freikirchen in Österreich gibt ist der, dass die Mennoniten ein soziales Anliegen haben. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Österreich eine große Hungersnot. Jeder Österreicher erhielt täglich Lebensmittel mit einem Energiewert von 600 – 800 Kalorien (der Richtwert heute beträgt 2000 Kalorien), wobei davon 1946 nur 40% in Österreich hergestellt wurden. Viele soziale Organisationen brachten Lebensmittel nach Österreich. Eine dieser Organisationen war das Mennonitische Zentralkommitee (kurz MCC). So kamen die Mennoniten nach Österreich. In den folgenden Jahren gründeten die Mennoniten auch Freikirchen. Dies war der Beginn der Mennonitischen Freikirche in Österreich.

 

Soziales Engagement heute

Die allierten Soldaten verteilten nach Kriegsende u.a. Geschenkboxen an Kinder. Unter ihnen war Gerda Gewessler. Heute ist die Koordinatorin von ‘Weihnachten im Schuhkarton’ in der Mennonitischen Freikirche Linz. Sie ist dankbar, dass sie heute in der Position ist, armen Kindern dadurch ein Weihnachtsgeschenk zu machen.

Die Mennonitische Freikirche Linz ist eine der größten Sammelstellen für ‘Weihnachten im Schuhkarton’, der Aktion von ‘Geschenke der Hoffnung’. In 2012 etwa kontrollierten sie beinahe 4000 Schuhschachteln.

 

Mitglieder der Mennonitischen Freikirche Wels erkannten die Not in sozial armen Schichten in Wels und gründeten daraufhin den Verein ‘Essen und Leben’. Binnen kurzer Zeit wuchs die Arbeit sehr, sodass sie heute wöchentlich hunderte Arme und Obdachlose versorgen. Darüber hinaus ist die Gemeinde sehr in der ‘Christlichen Familienarbeit’ engagiert. Diese Arbeit wird von einem Ehepaar der Gemeinde geleitet und hilft Familien in Krisensituationen. Im Gebäude selbst finden Frauen, die sehr rasch ‘ein Dach über dem Kopf’ brauchen, Unterschlupf.

 

Zur Mennonitischen Freikirche Wien gehören viele Lehrer. So entstand die Idee, in der Gemeinde Nachhilfeunterricht zu geben. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund profitieren von der Nachhilfe sehr. Darüber hinaus sind zahlreiche persönliche Kontakte entstanden.  

 

Obwohl nur fünf Freikirchen mit insgesamt rund 400 Mitgliedern zum Bund der Mennonitischen Freikirche in Österreich gehören, sind dies nur einige wenige Beispiele, wo sich die Mennoniten sozial engagieren. Zahlreiche mehr könnte man noch aufführen. Und deshalb ist es gut, dass es die Mennoniten in Österreich gibt!

Öffentliche Fürsorge

Autorin: Nataly Venger
Übersetzung: Martje Postma 

Von den Mennoniten betriebene soziale Einrichtungen waren ein Vorbild für die gesamte russische Gesellschaft, zu der Frage, wie sozialen Problemen auf zivilisierte Weise zu begegnen sei. Indem sie beispiellose Dienstleistungen zur Rehabilitierung schutzloser sozialer Gruppen erbrachten, führten die Mennoniten neue Lebensstandards ein, ein Merkmal für ihre ethische Reife, Menschlichkeit und den ökonomischen Status ihrer Gemeinschaften.

 

Dienst an der Gemeinschaft

Die Mennoniten in Russland waren eine wirtschaftlich erfolgreiche ethnische und soziale Gruppe. In der mennonitischen Ethik wurde Wohlstand als Verantwortung angesehen. Das Geld musste 'arbeiten' und für nützliche Dinge eingesetzt werden. Der Gedanke der Wohltätigkeit hatte eine soziale Komponente, verbunden mit dem Ziel, der Gemeinschaft zu dienen. Die Finanzmittel der Gemeinde wurden gebraucht zum Betreiben derjenigen Einrichtungen, die in Russland 'Einrichtungen für die öffentliche Wohlfahrt' hießen.

 

Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime

Die Einrichtungen waren auf die gesellschaftliche Wiedereingliederung der Gemeindemitglieder, die Unterstützung durch die Gemeinde brauchten, gerichtet. Da die Mennoniten vielfach untereinander heirateten, gab es in ihrer Gemeinschaft eine hohe Zahl an Menschen mit geistigen Behinderungen. Bis zum Jahre 1914 waren schon einige wenige Einrichtungen gegründet worden, die wichtig für die Gemeinschaft waren. Das waren: die 'Taubstummenschule' in Tiege, das Krankenhaus 'Bethanien' für Geisteskranke und ein Pflegeheim. Der Betrieb dieser Einrichtungen wurde von den reichsten Gemeindemitgliedern finanziell unterstützt. Genau wie 'Bethanien' wurde die 'Taubstummenschule' zu 50% von privaten Geldern getragen.

 

Schenkungen

Der Gedanke an die Gründung von 'Bethanien' wurde von der Gemeinde Jekaterinoslaw entwickelt, der die größten mennonitischen Dynastien von Industriellen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens entstammten (die Thiessens, Toews, Fasts, Esaus und Bergmans). Ein Wohltätigkeitsverein wurde zum Zwecke der Gründung des Projektes eingesetzt. Die Schenkungen waren anonym, und schon bald verfügte der Fonds für das Krankenhaus über 262.000 Rubel.

 

Mennoniten und (nicht)Mennoniten

Das Krankenhaus befand sich in Alt-Kronsweide. Es wurde im März 1911 eröffnet, und hatte bis Dezember 1912 53 Patienten in Behandlung. Wenngleich die meisten Patienten Mennoniten waren, wurden auch Menschen aus anderen ethnischen Gruppen zur Behandlung zugelassen. 'Bethanie' wurde von einem Rat verwaltet, dessen Vorsitz die bekannten Unternehmer J. Suderman und J. Lepp innehatten. In den Jahren 1911 – 1913 betrug der Fonds 93.514 Rubel, und der Haushalt belief sich auf 37.956 Rubel. Die Pflege eines Patienten kostete 300 Rubel pro Jahr. 15 Patienten wurden kostenlos behandelt. Ein weiteres Krankenhausgebäude mit einer Wäscherei und ein Dampfheizkessel wurden 1915 erbaut.

 

Bild: John A. Lapp, C. Arnold Snyder eds.: Testing Faith and Tradition. A Global Mennonite History: Europe. (Good Books, PA, 2006).

Krankenhausbesuche

Autor/Autorinnen: Jean-Paul Herzog, Mireille Peterschmitt und Sara Herzog
Übersetzung: Martje Postma 

Jede Woche gehen Fabienne in Strassburg und Odile in Sélestat ins Krankenhaus und dann wieder  nach Hause, jede in ihrer Stadt. Sie gehen dorthin um Patienten, deren Angehörige und anwesende Pflegekräfte zu treffen und ihnen zuzuhören. In diesen Institutionen, wo die Menschen Leiden und Pflege erfahren, Kummer und Freude,  Leben und Tod, sind Fabienne und Odile Krankenhausbesucherinnen. Ihr Dienst ist ein Ausdruck für ihre gesellschaftliche Teilnahme, die jene Menschen erreichen möchte, die unter Isolierung leiden. Sie tun dies entweder mit einem einmaligen Besuch, oder über längere Zeit. Ihre Besuche bringen noch einen anderen Besucher mit sich, den Herrn Jesus Christus, der sie in ihrem täglichen Dienst begleitet.

 

Eine Frage der Präsenz

In französischen Krankenhäusern ist der Besuchsdienst als Ergänzung der Tätigkeiten der dort Angestellten zu sehen, ein Ausdruck für den Wunsch, den Menschen als Ganzes zu sehen. In unserer französischen säkularen Gesellschaft müssen Krankenhausbesucher beweisen, dass ihre Anwesenheit dort aus einem legitimen Beweggrund heraus geschieht. Die Zeiten sind vorbei, in denen christliche Besucher sich ungehindert in den Krankenhäusern und Kliniken bewegen konnten. Genau wie Krankenhäuser Orte sind, wo Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten sich treffen, sind Krankenhäuser und Kliniken heutzutage Treffpunkte für Menschen verschiedener Glaubensrichtungen und Religionen.

 

Krankenhausbesuche gestalten sich ganz verschieden, je nach der Kultur oder Religion der Patienten. Und schließlich sind Krankenhäuser und Kliniken auch Orte, wo viele Fragen gestellt werden. Heutzutage lassen sich Spannungen auf medizinischem Gebiet feststellen, aufgrund menschlicher Beziehungen, aus technischen und wirtschaftlichen Gründen. Besucher müssen ihre Rolle in Bezug auf ethische Diskussionen spielen, und manchmal können sie Patienten auch zu anderen Menschen hinführen, die ihren Bedürfnissen eher gerecht werden können, vielleicht auch außerhalb der Klinikmauern. Unsere beiden Besucherinnen haben mehr als genug zu tun, in der Zeit, die ihnen zur Verfügung steht.

 

Seit 23 Jahren schickt, begleitet und unterstützt das Krankenhauspastorat 'Mitfühlend handeln' in Zusammenarbeit mit den protestantischen Kirchen in Elsass und Lothringen bezahlte Krankenhausseelsorger und einige Besucher als Freiwillige  in die Krankenhäuser. Mennoniten in Strassburg und besonders die Mennonitenkirche Strassburg waren die Begründer dieser kleinen Wohlfahrtseinrichtung. Evangelische Gemeinschaften in der Nachbarschaft beteiligen sich ebenfalls daran. Unsere Herzen sind voller Dankbarkeit zu Gott für Seine Treue und Hilfe, die dieses Unternehmen aus tätigem Glauben bis heute bestehen lässt.

 

Von der Wohltätigkeit Einzelner zur organisierten Sozialarbeit

Autor: Frédéric de Coninck 
Übersetzung: Martje Postma 

Wie ist es zu erklären, dass viele Menschen, die sich individuell zugunsten  hilfreicher Aktivitäten für Menschen in Not einsetzen, sich sofort zurückhaltend aufstellen, wenn wir eine Diskussion führen wollen über die Strukturen, die diesen Problemen zugrunde liegen?

Einstellungen

Autor: Theo Hege
Übersetzung: Martje Postma 

In Frankreich entstand die Sozialarbeit der mennonitischen Kirchen in Frankreich aus den umfangreichen Hilfsaktionen des Mennonitischen Zentralkomitees (MCC), die während des Zweiten Weltkrieges ihren Anfang nahm.

 

Hilfe für Hilflose

In den Jahren 1945 und 1946 setzten sich die mennonitischen Kirchenleitenden für ein Engagement der Kirchen aus Nächstenliebe ein. Dieses Vorgehen machte es möglich, das von dem MCC begonnene Werk auch nach dessen Fortgang weiterzuführen, durch die Schaffung der Institutionen 'Association Fraternelle Mennonite'(Mennonitischer Verband Bruderhilfe)  und der 'Association du Mont des Oiseaux' (Verband von Mont des Oiseaux).  Dieses ermöglichte den Ankauf eines Grundstücks im Valdois, in der Nähe von Belfort, und die Errichtung eines Kinderheims, in 1950, und im Jahr darauf den Ankauf eines zweiten Kinderheims in Mont des Oiseaux, in der Nähe von Wissembourg (Weißenburg). Dieses Kinderheim wurde zu einer Heimstatt für Kinder und Erwachsene mit psychischen oder geistigen Behinderungen.

 

Außerdem begann eine aus Amerika stammende mennonitische Missionstätigkeit, weitergeführt durch die 'Mission Mennonite Française', um 1953 in Châtenay-Malabry, und diese gründete eine Kirche im Ort. Zugleich fand dort eine lokale Initiative für die Arbeit mit geistig behinderten Kindern Aufnahme. Das Zusammenwachsen dieser sozialen Einrichtung mit der Verkündigung des Evangeliums geschah nicht ohne Schwierigkeiten. Der Verein 'Les Amis de l'Atelier' (Die Freunde der Werkstatt) wurde 1961 ins Leben gerufen, und wurde dann in 2011 in eine Stiftung umgewandelt.

 

Stützpunkt und ausländische Studierende

Im Jahre 1966 nahm die 'Mission Mennonite Française' die Initiative für einen Stützpunkt, der Arbeit und Unterbringung ermöglichte. Heute hat diese Institution einen anderen Namen, und heißt: 'Vereinigung der Institutionen des Bereichs Emmanuel' (AEDE). Die Gesamtheit der unter diesem Namen zusammengefassten Institutionen und Dienste lässt sich in folgenden Zahlen wiedergeben: 91 Institutionen und Dienste, 4.188 betreute Personen, 2.633 Mitarbeiter. Die Finanzmittel entstammen weitgehend der öffentlichen Hand.

 

Ebenfalls hat die 'Mission Mennonite Française' 1976 eine Wohnmöglichkeit für ausländische Studenten geschaffen, die sich bis 1998 gehalten hat. 1995 eröffnete die Mennonitische Kirche von Montbéliard eine Wohnanlage mit 12 Studios, sie heißt 'Maison d'Accueil de la Prairie' (Wohnheim der Prairie).

 

In 1977 wurde beim Ankauf des Gebäudes für den neuen mennonitischen Kirchenraum eine kleine Wohnanlage mit sieben Räumen für Studenten eröffnet. Heute, 2014, ist diese vergrößert und enthält 14 Räume und 9 Studios.

 

 

Behinderten Menschen zugewandt

 Autor: André Hege
Übersetzung: Martje Postma 

Zwei Stiftungen in der Region von Paris 'Les Amis de l'Atelier' (Die Freunde der Werkstatt' und 'Domaine Emmanuel' (Tätigkeitsbereich Emmanuel) sind eng mit der Geschichte der Mennoniten verbunden. Diese Gruppen haben 4000 Menschen in 70 Institutionen und Diensten geholfen oder ihnen Richtung gegeben.

 

Geschichte

Diese Tätigkeit nahm ihren Anfang im Jahre 1950, durch die Freundschaft zwischen den Mennoniten und einer Familie mit einem behinderten Kind. Hilfe für das Kind war in dieser Situation vonnöten, und es wurde ein Treffpunkt für Kinder eingerichtet, in einem Fertighausschuppen, ohne Elektrizität oder Wasser. Diese unscheinbare Initiative wurde zu einer bedeutsameren Einrichtung, als das erste Zentrum für die 'Unterstützung durch Arbeit' in Châtenay-Malabry gegründet wurde, und danach ein zweites Zentrum mit Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen in Hautefeuille, östlich von Paris auf dem Lande.

 

Nach und Nach entwickelte sich unser Projekt, unterstützt durch staatliche Finanzhilfen. Wir sind professioneller geworden, besser befähigt die individuellen Erfordernisse jeder einzelnen Person zu verstehen, und können diese dadurch besser unterstützen. Die Räume gewähren die bestmögliche Unterbringung in Gemeinschaft. Ein häuslicher Pflegedienst wurde als Ergänzung der Dienstleistungen eingerichtet, für diejenigen, die mit der richtigen Unterstützung weiterhin zuhause wohnen können.

 

Beide Stiftungen haben spezielle Zentren ins Leben gerufen, die besonders auf die Bedürfnisse älterer Menschen mit Behinderungen gerichtet sind. Die Stiftung 'Domaine Emmanuel' unterhält Spezialzentren für Menschen, die nach einer psychischen Krankheit mit geistigen Behinderungen fertig werden müssen.

 

Geschwisterliche Liebe: verschiedene Ansichten akzeptieren

Einige unserer Heime bieten vollständige medizinische Versorgung für Menschen,  die einer intensiveren Pflege bedürfen. Beide Stiftungen haben heutzutage Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen mit schweren Behinderungen. Beide nehmen sie Menschen mit speziellen Bedürfnissen auf, besonders auch autistische Kinder, in Zusammenarbeit mit medizinischen Instituten. Indem wir dieses tun, verbreiten wir eine Botschaft von Respekt und Wertschätzung, die wir an Menschen mit Behinderungen weitergeben.

 

Wir möchten allen Menschen Wertschätzung und Respekt zeigen, und ihnen helfen,  soweit wie möglich für ihr eigenes Leben verantwortlich zu sein. Es ist auch unser Ziel, Menschen mit speziellen Bedürfnissen in eine reguläre Arbeitssituation einzubinden, wann immer dies möglich ist. Indem wir für Unterbringung und Arbeit sorgen, schaffen wir Integration und verringern das Gefühl der Isolation.

 

Wir glauben, dass geschwisterliche Liebe mehr und mehr angenommen wird, und sich zeigt in unserer Bereitschaft, verschiedene Ansichten gelten zu lassen. Unsere Erfahrung sollte sich immer nach den heutigen Bedürfnissen richten, und sowohl Kreativität als auch Anpassungsfähigkeit zeigen.

 

Unsere Webseiten (in Französisch)

http://www.fondation-amisdelatelier.org/

http://www.aede.fr/

 

 

Willkommen bei der Kirche

Autor: Madeleine und Bernard Huck
Übersetzung: Martje Postma 

Von einer  Freundin wurde ich ermutigt, doch einmal mitzukommen zu einem Gottesdienst in dieser Mennonitengemeinde. Ich bin eine Frau aus Afrika, ich habe nicht viele Bekannte und lebe in einer schwierigen Familiensituation. Mein Mann hat keine feste Arbeit, und das macht ihn manchmal nervös. Ich habe fünf Kinder, die Jüngste ist noch sehr klein. Und meine ältesten Söhne machen mir Sorgen.

 

Als Kirchgemeinde schlossen wir diese Frau bald in unser Herz und teilten ihre Sorgen. Wir gaben ihr bezahlte Arbeit, als Hausmeisterin. Sie hat es schwer in ihrer Familie, ihr Mann ist gewalttätig. Manchmal entflieht sie ihrem Zuhause und übernachtet auf dem Fußboden der Kirche. 'Endlich', sagt sie 'hier habe ich meinen Frieden.'

Wir kümmerten uns um ihre jüngste Tochter, als sie eine Reise zu ihrer Familie machte.

Sie besucht den Gottesdienst regelmäßig und kommt zur Frauengruppe. Sie saugt das Wort Gottes auf, das in ihrem Herzen arbeitet, und die Gnade Gottes verändert sie ganz allmählich.

 

Ihr Familienleben ist besser geworden, nachdem die Polizei einmal eingeschritten ist, und ihr Mann hat sich jetzt ein für allemal beruhigt.

Sie gewann die Herzen in der Kirchgemeinde. Wenn jemand krank ist, ist sie besorgt – sie sucht einen Bibelvers, der die Betreffenden mitten ins Herz trifft. Sie erkundigt sich nach ihnen.

 

Unsere Gemeinde hat ihr das Amt der Diakonin übertragen, und sie füllt diese Rolle perfekt aus. Sie nennt mich ihre 'Herzensfreundin', und das ist tatsächlich das, was sie mir ist.

Eine Bekannte, die sie sehr gut kennt, vertraute mir an, dass diese Schwester eines Sonntags als das Abendmahl ausgeteilt wurde, zu ihr kam, mit dem Brot und dem Wein. Sie war zutiefst gerührt. Gott allein die Ehre!

 

Dieses Zeugnis könnte den Eindruck erwecken, dass Willkommen heißen, Integrieren, Unterstützen und Wachstum fördern großes Geschick erfordere. Tatsächlich ist es ganz einfach. Was erforderlich ist, ist ein großes Herz, voller Mitgefühl. Mitgefühl ist nicht Mitleid, sondern Liebe. Etwas ganz Natürliches, das sich von selber einstellt, das keine Fragen stellt. Doch vor allem zeigt es die Kraft Gottes, der 'Heiler der Brüche', Derjenige, der aufrichtet und sammelt. Der Vater, der sicherstellt, dass seine Kinder, so unterschiedlich sie sein mögen, fähig sind sich gegenseitig zu begrüßen, sich zu verstehen und sich zu lieben. 

 

Der Treffpunkt Prairie

Autor: Daniel Widmer
Übersetzung: Martje Postma 

Das Département Montbéliard umfasst auch Sochaux, wo die ursprüngliche französische Automobilfabrik Peugeot gelegen ist. Vor vierzig Jahren arbeiteten dort 40.000 Menschen, doch jetzt sind es nur noch 11.000. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch in diesem Gebiet, und viele Menschen leben dort unter schwierigen Umständen.

 

Um tätige Unterstützung zu bieten, nahm sich die Mennonitenkirche, ganz besonders unter der Leitung von Etienne Klopfenstein, die Schwierigkeiten der Menschen vor Ort zu Herzen. Zunächst verbrachten Freiwillige die Nacht mit den Wohnungslosen in einem staatlich geführten Heim, oder halfen bei der Heilsarmee bei der Verteilung von warmen Mahlzeiten.

 

Ein Treffpunkt wird geschaffen

Die Mitglieder der Gemeinde merkten schnell, dass dies nicht ausreichte, und ein neuer Gedanke machte die Runden: wir wollten ein eigenes Heim schaffen, um einige dieser Obdachlosen, die meisten von ihnen Arbeitslose, unterzubringen. In 1994 wurde eine leerstehende Molkerei angekauft, und von Baufirmen und Freiwilligen aus der Kirchgemeinde komplett renoviert. Dieses Heim, ganz in der Nähe von 'la Prairie' (der Mennonitenkirche in Montbéliard) gelegen, ist benannt nach der Gegend, in der es liegt. Das Heim wurde 1996 eröffnet, und bot 26 Einwohnern eine vorübergehende Unterkunft in Studios für Einzelne oder zwei Personen. Das 'Das Komitee der Geschäftsführung‘ wurde von Etienne Klopfenstein bis zu seinem Tode in 2012 geführt. Durch die Anwesenheit einer bezahlten Bürokraft ist immer jemand ansprechbar, und eine andere Person ist mit der Aufgabe betreut, für die Einwohner den passenden Wohnraum zu finden, in Zusammenarbeit mit den staatlichen Sozialarbeitern. Normalerweise gelingt das innerhalb von 6 Monaten.

 

Glaubenszeugnis

An jedem Wochentag bringen Freiwillige zwischen 14:00 und 17:00 Uhr Gebäck und Kaffee in den großen Gemeinschaftsraum, und sorgen für eine freundliche Atmosphäre, in der die Bewohner sich entspannen, und sich über ihre Probleme aussprechen können. Lionel, ein früherer Bewohner, und jetzt ein Mitglied der Mennonitengemeinde Montbéliard legte 2013 vor den anderen Gemeindegliedern vor seiner Taufe dieses Zeugnis ab:

 

Ich verließ mein Elternhaus mit 18, da ich mein eigenes Leben leben wollte. Ich fand Arbeit, und zu Anfang lief alles gut. Doch leider geriet ich in schlechte Gesellschaft, ich wurde drogenabhängig, verlor meine Arbeit und lebte als Obdachloser drei Jahre lang auf der Straße. […] Zwei Leute vom Zentrum freundeten sich mit mir an, und gaben mir eine Bibel[...] Einer der wöchentlichen Zentrumsbesucher las mit mir die Bibel und sprach mit mir über Gott. Da wurde mir klar, dass es eine Lösung für mein sinnloses Leben gab. Gott liebt mich wie ich bin: das stellt mein Leben auf den Kopf.

 

Ziele und konkrete Beispiele

Autor: Sylvia Shirk
Übersetzung: Martje Postma 

Der Hilfsfonds, in 1977 eingerichtet, ist die helfende Hand der französischen Mennoniten, die sich zu jenen Menschen ausstreckt, von denen wir wissen, dass sie zeitweilig oder auch auf längere Zeit in Not geraten sind.

 

Syrien

Das Jahr 2013 war von einer erneuten Hilfsaktion für Syrien gekennzeichnet. In einer email vom September dankt der Beauftragte des MCC für Syrien den Französischen und Schweizer Mennoniten für ihre 'fantastische und nicht nachlassende Hilfe, und Eure Gebete für das Syrische Volk. Die Pakete sind angekommen, und bei einer großen Anzahl verschiedener Kirchen an Flüchtlinge verteilt, die aus ihren Häusern vertrieben wurden...'

Seit dem Beginn des Konfliktes wurden mehr als 3500 Pakete mit Hygienebedarf, 200 Decken und eine Summe von € 15.000 in zwei Containern bis nach Jordanien und Syrien auf die Reise geschickt. 2013 beteiligten sich die Schweizer Mennoniten, und füllten den Container mit Eimern voller Hilfsgüter. Diese Schenkungen kamen von Einzelnen oder Haushalten. Die Versandkosten für die Container (etwa € 8.500) bezahlt aus Kollekten bei Konzerten einer Gruppe junger Künstler aus einer der Gemeinden bezahlt. Eine Gemeinde im nördlichen Elsass besorgte das Sortieren, die Vorbereitung und den Versand der französischen Hilfsgüter.

 

Afghanistan

Von Anfang an hat der Hilfsfonds ein Weihnachtsprojekt betrieben, um eine Not zu lindern die mehr eine chronische ist, und doch nicht weniger kritisch. In diesem Jahr wurden wir aufmerksam auf ein Schulprojekt zugunsten von Hazara Frauen und Kindern in Afghanistan.Das vor zehn Jahren von Mitgliedern einer unserer Kirchen begründete Projekt 'Der Pelikan' errichtete 2013 ihr erstes Tagesheim für Hazara Kinder. Das Projekt wuchs sehr schnell und wurde alsbald erweitert, um weiteren hundert Frauen und Mädchen Unterricht zu ermöglichen (Lesen und Schreiben und Nähkurse), sowie Lehrgänge für professionelles Backen und die Geschäftsführung von Kleinbetrieben, und vor zwei Jahren startete eine Unterrichtseinheit Zeichensprache. Im Jahre 2007 finanzierte der Hilfsfonds den Ankauf von Einrichtungsgegenständen für die Bäckerei.

 

Sieben Jahre später trugen die Schenkungen zur Schaffung eines Zentrums in Bamiyan bei, nach dem Vorbild von demjenigen in Kabul. Im November starb Jacques, Mitbegründer von 'Le Pélican'. Doch Ariane gibt nicht auf. Ihre Erklärung:

 

Der Pelikan musste seinen Platz hier auf dieser Hochebene finden, wo es nichts gibt außer armen Menschen, ohne irgendwelche Hilfsmittel: keine Schulen, keine Geschäfte, kein Krankenhaus, kein Strom, kein Wasser.....ihnen fehlt alles. Also ist es einfach, ihnen zu helfen!